Gründung und Aufbau der Gemeinde

Das Selbstständigwerden unserer Ev. Kirchengemeinde Röhlinghausen vollzieht sich vor dem Hinter­grund tiefgreifender Umbrüche, hervorgerufen durch Bergbau und Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Gründung der Zechen Königsgrube und Pluto-Thies (1855/56) ließ Röhlinghausen aus einem bis dahin rein ländlichen Gemeinwesen zu einem vom Bergbau geprägten Vorort werden. Der ständige Zustrom fremder Arbeitskräfte führte zu einem sprunghaften Anstieg der Bevölkerung. Zählte man 1875 noch 1.974 Einwohner, so waren es 1895 bereits 4.275, davon etwa die Hälfte evangelischen Glaubens.

So war der Wunsch vieler Gemeindeglieder verständlich, sich von der Muttergemeinde Eickel zu lösen und eine eigene Kirchengemeinde ins Leben zu rufen. Vor allen der Initiative des Vorstehers der kommunalen Gemeinde, Dietrich Göddenhoff, war es zu verdanken, dass die Verhandlungen mit den zuständigen Behörden rasch zum Abschluss gebracht werden konnten und zum 1. September 1895 „die Errichtung einer selbständigen Kirchengemeinde Röhlinghausen“ genehmigt wurde. Sie gehörte wie die Muttergemeinde Eickel bis 1933 zum Kirchenkreis Gelsenkirchen.

Bis zur Jahrhundertwende erfolgten wichtige Schritte auf dem Wege des Gemeindeaufbaus: Die Wahl des ersten Presbyteriums mit Diedrich Göddenhoff als Kirchmeister (1895), die Wahl von Richard Tigges als erstem Pfarrer der Gemeinde (1896), die Einrichtung eines gemeindeeigenen Friedhofs an der heutigen Straße Auf der Wilbe (1896), der Bau eines Pfarrhauses (1898) und vor allem der Kirche an der heutigen Wittenbergstraße, die am 1. Juni 1899 feierlich geweiht wurde. Landwirt Heinrich Stratmann hatte das Grundstück für den Bau von Kirche und Pfarrhaus unentgeltlich zur Verfügung gestellt, Kaiserin Auguste Viktoria schenkte der Kirche zur Einweihung eine Altarbibel, die heute zu dem ältesten Inventar der Gemeinde zählt.

Nach der Jahrhundertwende hielt der Bevölkerungszuwachs unvermindert an. Bis 1914 stieg die Einwohnerzahl Röhlinghausens auf knapp 14.000, davon etwa die Hälfte evangelischen Glaubens. Parallel dazu vollzog sich der weitere innere und äußere Auf- und Ausbau der Gemeinde. Zahlreiche Vereine prägten das Gemeindeleben, zu den ältesten - heute noch bestehenden Gruppen - gehören der Frauenverein (bereits 1885 gegründet, später in Frauenhilfe umbenannt), der Posaunenchor (1900) und der Arbeiter- und Bürgerverein (1904). Bereits 1903 musste die Kirche, die bislang nur aus einem Kirchenschiff bestand, erweitert und der Kirchturm hinzugefügt werden. Der Bau eines Gemeindehauses (1909) mit angeschlossenem Kindergarten an der Stelle, an dem heute das Jugend­heim steht, die Einrichtung einer zweiten Pfarrstelle (1910) und die Fertigstellung eines zweiten Pfarrhauses neben der Kirche sowie die Einteilung der Gemeinde in zwei feste Seelsorgebezirke zeugen des Weiteren von einem regen Gemeindeleben, das auch unter den Folgen des Ersten Weltkrieges zunächst nicht wesentlich litt.