Die Gemeinde vom Ende des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges

Politische Unruhen, galoppierende Inflation und wirtschaftliche Not kennzeichneten die Nachkriegs­zeit, deren Auswirkungen auch an der Gemeinde nicht spurlos vorübergingen. Erst in den folgenden Jahren setzte eine Phase ruhiger Entwicklung ein, in der man daran denken konnte, fällige Repara­turen und Neuerungen an den Gebäuden vorzunehmen, beispielsweise die Ausstattung des Gottes­hauses mit elektrischer Beleuchtung. 1928 ging das Haus Lutherstraße 5 (heutige Wittenbergstraße) auf die Gemeinde über. Im Erdgeschoss wurde eine Handarbeitsschule für Mädchen eingerichtet, die Räume im Obergeschoss dienten den Gemeindeschwestern als Wohnung. Den älteren Gemeinde­gliedern ist das „Schwesternhaus“ sicherlich noch in guter Erinnerung. Gegen Ende der Weimarer Zeit führten Weltwirtschaftskrise und hohe Arbeitslosigkeit erneut zu fühlbaren Einschränkungen, doch stärkte das andererseits wiederum das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Gemeinde. Vielfältige soziale Unterstützungen in täglichen Notfällen wurden geleistet - von den Pfarrern, den Gemeindeschwestern und den kirchlichen Vereinen. 1930 schlossen sich die evangelischen Gemeinden Wanne-Eickels zu einem Stadtverband zusammen, um ihre Belange und Interessen besser vertreten zu können.

Mit der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 setzte verstärkt der Kirchenkampf ein. Die vom Nationalsozialismus unterstützen Deutschen Christen vertraten ein nationalkirchlich, völkisch orientiertes Christentum und versuchten, die Kirche ideologisch zu vereinnahmen. Demgegenüber schlossen sich jene, die sich gegen die Verfälschung des Christentums zur Wehr setzten, in der Bekennenden Kirche zusammen. Innerhalb unserer Gemeinde stellte sich dieser Kampf dar als ein Ringen um die Zusammensetzung des Presbyteriums, die Pfarrstellenbesetzung und die Einfluss­nahme auf die kirchlichen Vereine. Dabei waren die Verhältnisse in Röhlinghausen noch durch eine Besonderheit geprägt. 1933 schied die Gemeinde aus dem Kirchenkreis Gelsenkirchen aus und bildete mit den übrigen Gemeinden den neuen Kirchenkreis Herne. Die Deutschen Christen verschafften sich auf unlauterem Wege eine Mehrheit und wählten Pfarrer Gotthold Krahn zum ersten Superintendenten des neuen Kirchenkreises. Dieser bekleidete nach dem Tode von Pfarrer Hollmann seit 1927 die zweite Pfarrstelle in unserer Gemeinde und war ein eifriger Verfechter der neuen Glaubensrichtung. Insgesamt lässt sich sagen, dass in dem langjährigen Kampf die überwiegende Mehrheit der Gemeinde sich den Versuchen einer Vereinnahmung durch die Deutschen Christen widersetzte und das Bild einer relativ geschlossenen Bekenntnisgemeinde bot. Das war nicht zuletzt Presbytern wie Hermann Eichhofer, Wilhelm Röhlinghaus und Robert Burkert zu verdanken, und auch die kirchlichen Vereine wie die Frauenhilfe oder der Arbeiter- und Bürger­verein unter der Leitung von Christoph Holler leisteten erfolgreichen Widerstand gegen die Unter­wanderung mit nationalsozialistischem Gedankengut.

Zu der inneren Zerrüttung des Gemeindelebens kam die äußere Zerstörung durch den Krieg. 1943 setzten die Luftangriffe verstärkt ein. Gemeindeleben und Vereinstätigkeit kamen weitgehend zum Erliegen. Das Gemeindehaus wurde gänzlich zerstört, die Kirche mehrmals getroffen. Beim Angriff am 6. November 1944 war die Vernichtung nahezu vollständig: Nur der stark beschädigte Turm und Teile des Außenmauerwerks des Kirchenschiffs blieben stehen. Beide Pfarrhäuser fielen am gleichen Tage den Bomben zum Opfer: Das erste Pfarrhaus brannte aus, das zweite wurde restlos zerstört. Und schließlich wurde das Schwesternhaus bei dem letzten schweren Angriff auf Röhlinghausen am 23. Februar 1945 stark beschädigt.

Am 10. April 1945 rückten amerikanische Soldaten in Röhlinghausen ein. Der Krieg und die unselige Zeit des Nationalsozialismus waren vorbei.