Röhlinghausen bot bei Kriegsende ein trostloses Bild. Viele Menschen lebten in Kellern, Bunkern und Notunterkünften. Zu dem Leid um die Gefallenen und der Ungewissheit über das Schicksal der Vermissten kamen der tägliche Hunger und die ständige Sorge ums Überleben. Auch die evange­lische Kirchengemeinde stand praktisch vor dem Nichts. Es war eine Zeit bitterer Not, aber auch neuer Hoffnung.

Schon im Verlauf des ersten Nachkriegsjahres begann man, Spuren eines neuen Anfangs zu legen. Zunächst baute man das halb zerstörte Schwesternhaus wieder auf, um im Untergeschoss einen Gottesdienstraum einzurichten. Am Heiligen Abend 1946 konnte Pfarrer Hans Willms, der seit 1942 die durch den Tod von Pfarrer Tigges vakante Pfarrstelle bekleidete, den ersten Gottesdienst abhalten. 1948 wurde das Pfarrhaus (Auf der Wilbe) wieder hergerichtet, die Wohnungen vorüber­gehend mit Mietern belegt. Im gleichen Jahr fanden die ersten Presbyterwahlen nach dem Kriege statt, Kirchmeister blieb Wilhelm Röhlinghaus. Im Januar 1950 wurde Pfarrer Fritz Hütt als Nach­folger für den ins Sauerland verzogenen Pfarrer Willms in die erste Pfarrstelle eingeführt, er bezog die Wohnung im ehemaligen Schwesternhaus.

Nach kriegsbedingtem Rückgang war die Bevölkerung in den 50er Jahren wieder in einem ständigen Wachstum begriffen. Der Bergbau erlebte noch einmal eine Blütezeit, das in Röhlinghausen ansässige Mannesmann-Werk entwickelte sich zu dem größten metallverarbeitenden Betrieb in Wanne-Eickel. So nimmt es nicht wunder, dass die Seelenzahl der evangelischen Gemeinde von 4.500 im Jahre 1950 auf 7.277 im Jahre 1960 stieg.

Der Notkirchenraum erwies sich bald als zu klein. Stimmen wurden lauter, die sich trotz aller finanziellen Engpässe für einen baldigen Aufbau der zerstörten Lutherkirche aussprachen. Landeskirche, Kreissynode und der Opferwille der Gemeinde trugen dazu bei, dass am Reformationstag, am 31. Oktober 1954 die feierliche Einweihung der Kirche mit mehr als Tausend Gläubigen erfolgen konnte.

Auch ansonsten waren die 50er Jahre ausgefüllt mit fleißiger Aufbauarbeit und Stärkung des Gemeindelebens. Die ältesten Vereine hatten schon kurz nach dem Kriege ihre Tätigkeit wieder aufgenommen: so die Frauenhilfe (unter Else Wank), der Arbeiter- und Bürgerverein (unter Heinrich Klippert) und der Posaunenchor (seit 1954 unter Walter Neumann). 1955 rief Pfarrer Hütt den Jungmütterkreis ins Leben, später in „Abendkreis der Frauenhilfe“ umbenannt.

Vor allem die Jugendarbeit entwickelte sich zu einem Aktivposten der Gemeinde. Freizeiten und Ferienlager wurden durchgeführt, „Bunte Abende“ veranstaltet, eine eigenen Band unter dem Namen „Nobile Combo“ gegründet und viele Jahre hindurch eine jugendeigene Zeitschrift („Unser Weg“) herausgegeben. Der Eichenkreuzsport nahm einen breiten Raum ein. Mittelpunkt der Jugend­arbeit bildete eine von der Zeche Königsgrube erworbene alte Baracke, die auf dem Gelände des zerstörten Gemeindehauses errichtet wurde. Dass die Jugendarbeit in diesen Jahren einen solch lebhaften Auftrieb erfuhr und vielfältige Spuren hinterließ, war nicht zuletzt dem Einsatz und Engagement Pfarrer Kurt Wernickes zu verdanken, der 1956 in die zweite Pfarrstelle der Gemeinde gewählt wurde und seinen Dienst in Röhlinghausen bis 1963 versah.

Um der Jugend und mit ihr der Gemeinde eine geräumigere und dauerhaftere Heimstätte zu geben, beschloss das Presbyterium einstimmig die Errichtung eines Jugendheimes mit Gemeindesaal, mehreren Gruppenräumen und einer Hausmeisterwohnung auf dem Gelände des alten Gemeinde­hauses. Am 26. Februar 1961 erfolgte die feierliche Einweihung des neuen Heimes im Rahmen einer Festwoche, die ausschließlich von Mitgliedern der Jugendgruppen gestaltet wurde. Die alte Baracke hatte ihre Schuldigkeit getan.

Nachzutragen wäre noch die Fertigstellung der Trauerhalle auf dem Gemeindefriedhof im Juni 1958.