Mittwochsandacht von Pfarrerin Saskia Karpenstein (29.07.2020)

Liebe Menschen in Nah & Fern und in Wanne-Eickel!

Letzten Sonntag haben wir in der Gemeinde Abendmahl gefeiert. Eigentlich nichts Besonderes, aber in diesen Zeiten schon.

Seit März ist in den Kirchen vieles anders. Wie an allen Orten ringen wir um Abstand und Hygiene. Wir schütteln keine Hände und legen sie nicht zum Segen auf. Wir singen als Gemeinde nicht gemeinsam und kommen nicht mehr zum Abendmahlskreis zusammen.

Es ist sinnvoll, dass wir notwendige Regeln einhalten. Gleichzeitig grübeln und tüfteln wir, was dennoch geht. Ich versuche, neu und vielleicht ungewöhnlich zu denken. Nicht alles lässt sich kompensieren, aber beim Abendmahl habe ich einen Versuch gewagt.

Viele Gottesdienstbesucher*innen gehen gerne und regelmäßig zum Abendmahl. Es ist ihnen vertraut und eingeübt seit Kindertagen und der Konfirmation. Wenn man mich fragt, was mir das Abendmahl bedeutet, dann fällt mir eine ganze Reihe ein.

Das Abendmahl ist ein besonderer Moment herausgehoben aus dem Alltag. Ganz nah bei Gott. Zeichen der Hoffnung und der Versöhnung. Verbunden mit der weltweiten Christenheit. In Erinnerung an das erste Abendmahl Jesu damals mit seinem Jüngerkreis. In der Nacht, in der er verraten wurde. Abendmahl wird gefeiert mitten in den Grenzerfahrungen des Lebens. Damals wie heute.

Christi Leib für dich gegeben – Christi Blut für dich vergossen. Das Abendmahl ist Sakrament, Geheimnis des Glaubens. Es ist das Zusammenkommen von Worten und Zeichen. Es ist Schweigen und Instrumentalmusik. Es ist Sehen, Fühlen und Schmecken. Beim Abendmahl geht es um meine Leiblichkeit. Hier bin ich ganz Mensch. Im Angesicht Gottes.

Das Abendmahl am letzten Sonntag war das erste seit Monaten in unserer Kirche. Am Eingang des Gottesdienstes ein Tütchen mit einer Oblate und Weintrauben für jede*n einzeln hygienisch korrekt bereitet und verpackt. So haben wir später Abendmahl gefeiert am Sitzplatz mit Abstand und dennoch gemeinsam.

Zeiten und Umstände mögen sich ändern – Gott bleibt. Zum Beispiel im Abendmahl.

Ich grüße Sie ganz herzlich – bleiben Sie behütet,

Ihre Pfarrerin Saskia Karpenstein

Mittwochsandacht von Pfarrer Michael Thoma (22.07.2020)

Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Jesaja 43,1

 

Zwei Cousins treffen sich innerhalb einer Woche gleich zwei Mal aus familiären Gründen: Zunächst zu einer Beerdigung, dann zu einer Taufe. Unterschiedlicher könnten die Anlässe nicht sein. Ein Leben, das gerade begonnen hat und ein Leben, das sein Ende erreicht hat. Und doch hören die beiden Cousins beide Male den gleichen Satz: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Das eine Mal an den Verstorbenen am Grabstein, das andere Mal an den quicklebendigen Säugling am Taufstein gerichtet.

Der gleiche Satz bei zwei so gegensätzlichen Begebenheiten. Nein, es ist kein Irrtum und kein Versehen. Dieses Wort von Gott passt zum Anfang und Ende des Lebens, weil wir gerade am Anfang und Ende unseres Weges Hoffnung brauchen. Die Hoffnung für das, was kommt: Im Leben und nach dem Sterben.

Es ist die Hoffnung, niemals allein und verloren zu sein, sondern einen festen Platz bei dem zu haben, der größer ist als Raum und Zeit. Die hoffnungsvolle Gewissheit zu Gott zu gehören. Und weil ich zu ihm gehöre, höre ich seine Worte so:

 „Ich lasse dich nicht los, solange du es nicht möchtest. Ich halte dich an der Hand, trage dich, laufe unauffällig wie ein Schatten hinter dir und gehe dir zur Orientierung voraus. Ich stelle mich schützend vor dich und halte meine Hand über dich, verteidige dich, höre dich. Ich gebe alles für dich. Wenn ich für dich bin, wer oder was kann gegen dich sein?“

Diese Hoffnung wird zur erlebbaren Gewissheit für den, der sich darauf beruft: Im Leben und im Sterben.

Mittwochsandacht von Pfarrer Ferdinand Kenning (15.07.2020)

In eines Mannes Herzen sind viele Pläne,
aber zustande kommt der Ratschluss des Herrn.
(Spr. 19, 21)

Der Vers ist die Losung für den heutigen Tag.
Wir kennen sie auch in Kurzform: „Der Mensch denkt, Gott lenkt.“

Die Worte sind eine Erinnerung daran, dass wir unser Schicksal nicht so in der Hand haben, wie wir es gerne würden. Wir können uns viel wünschen, planen, befürchten und Sorge tragen, aber was in der Zukunft geschieht, das weiß allein Gott, der Herr.

Das soll uns aber weder entmutigen noch faul werden lassen, sondern vielmehr sollen wir mutig im Vertrauen auf unseren himmlischen Vater leben, arbeiten, eine Familie gründen, und noch vieles mehr tun. Denn was wir tun können, dass lässt Gott uns tun, aber was nur Er tun kann, das müssen wir auch nur Ihn tun lassen. Und nachdem wir getan haben, was wir tun konnten, sollen wir die Anspannung fallen lassen und uns ausruhen. Das tun wir, wenn wir ruhen, schlafen, uns erholen und innehalten, nachdem wir uns angestrengt haben. Ganz bewusst haben wir dazu die Möglichkeit, wenn wir am Abend Andacht halten, ein Gebet vor dem Schlafengehen oder Luthers Abendsegen sprechen, um Gott den Tag zurück in seine Hände zu geben und ihm die Nacht anempfehlen. Denn unser Schöpfer hat in seiner unendlichen Weisheit Tag und Nacht erschaffen, den Arbeitstag und die Nachtruhe - und weil wir beides brauchen, darum hat Er für beides Raum und Zeit in seiner Schöpfung gelassen.

Manchen fällt das Tagesgeschäft und die Arbeit schwer, anderen die Erholung und der Schlaf. Der eine hat irgendwie die fixe Idee im Kopf, dass egal was er tut, es nicht ausreichen könnte, was er denn tun würde und packt die Arbeit entweder erst gar nicht an, oder bringt sie einfach nicht zu Ende. Die andere meint, dass sie noch nicht aufhören dürfe, weil immer noch Arbeit übrig ist, und findet dann auch zur Nacht nur wenig Ruhe oder Erholung. Beiden soll die Glaubenswahrheit aus Spr. 19,21 helfen, im Vertrauen auf Gott das Tageswerk anzupacken oder ruhen zu lassen, weil der Herr letztendlich doch zu seinem Ziel kommt, und zwar so, dass er uns tun lässt, was wir tun können, und Er tut, was nur er tun kann. Diese Wahrheit liegt auch dem folgenden Psalmwort zugrunde:

Den Seinen gibt‘s der Herr im Schlaf (Ps. 127,2b).
Amen.

Mittwochsandacht von Pfarrer Hans-Paul Ullrich (08.07.2020)

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Geschwister,

wenn wir am Sonntag den Gottesdienst besuchen, hören wir meist direkt zu Beginn den Wochenspruch. Dieser Wochenspruch ist so etwas wie eine Überschrift über die gesamte Woche.

Er lautet für diese Woche:

»Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.« (Gal 6,2)

Das ist also die Überschrift über diese Woche. Und, wie geht es Ihnen, wenn Sie diesen Vers lesen? An welchen Worten bleiben Ihre Gedanken haften?

»Last«? Ja, von Lasten und Belastungen hören wir viel in der Krise. Manches belastet uns vielleicht selbst. Die Sorge um die eigene Gesundheit, oder um die meiner Lieben, die Sorge um meinen Arbeitsplatz, oder die Sorge, wie es mit meiner Gemeinde und dem Gemeindeleben weitergehen kann – all das kann zur Last werden, an der ich zu tragen habe.

»Jeder hat so sein Päckchen zu tragen« - so formuliert es der Volksmund.
Und weil das so ist, erscheint der Wochenspruch manchen Menschen wie eine zusätzliche Last, die Ihnen auferlegt wird.
»Wie soll ich das nur schaffen? Ich selbst habe doch schon an meinen Lasten genug zu tragen. Da soll ich jetzt auch noch die Lasten der anderen tragen?«
Dazu passt dann auch noch, dass vom Gesetz Christi gesprochen wird. Last und Gesetz, das sind nicht gerade Begriffe, die uns beschwingt durch den Alltag gehen lassen.

Wenn wir den Wochenspruch so lesen, dann wird er uns selbst zur Last und wir könnten froh sein, dass diese Last uns dann am kommenden Sonntag durch den neuen Wochenspruch abgenommen wird.

Vielleicht lassen sich aber auch andere Gedanken mit dem aktuellen Wochenspruch verbinden.
Einer dieser Gedanken ist die Gemeinschaft. Der Wochenspruch nimmt den Leser und die Leserin mit hinein in die Gemeinschaft. Denn es geht darum, dass dieser Satz der christlichen Gemeinde gesagt wird. In dieser Gemeinschaft ist es so, dass einer des anderen Last trägt.
Ja, ich trage des anderen Last, und ja, der andere trägt meine Last. So tragen, stützen und unterstützen Christen sich gegenseitig, leben Gemeinschaft.

Der Mittwoch teilt die Woche in zwei Hälften. Eine dieser Hälften liegt nun schon hinter uns. Lassen Sie uns die Gelegenheit nutzen, inne zu halten und zu fragen: »Habe ich das vielleicht in den zurückliegenden Tagen schon erfahren, dass auch ich mit meinen Lasten getragen bin?«

Das »Ich denke an dich.« eines lieben Menschen, das »Offene Ohr am Telefon«, das »Stumme, aber wissende Nicken«, das »Kann ich dir etwas einkaufen oder mitbringen?« -  manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns Lasten abnehmen und uns das Gefühl geben, getragen zu sein. Das macht den Kopf, das Herz und die Hände frei, weil die eigene Last nicht allein mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und der eigenen Kraft getragen werden muss.

Einige Zeilen zurück habe ich es schon geschrieben. Der Mittwoch teilt die Woche in zwei Hälften.

Das bedeutet dann auch, dass eine dieser Hälften nun vor uns liegt. Und wir können uns fragen, was wir tun können, um die Last anderer zu tragen.
Zunächst muss ich bereit sein, die eigenen Lasten auch von anderen mittragen zu lassen.  Das ist nicht immer leicht, denn häufig steht uns unser eigener Stolz und unser eigener Ehrgeiz im Weg und lässt uns unsere Lasten festhalten. Denn wir wollen es häufig doch lieber allein schaffen.
Aber wenn ich meine Lasten nicht loslassen kann, dann wird mein Kopf, mein Herz und meine Hände nicht frei für die Last des anderen und ich selbst bin ich schnell am Ende meiner eigenen Kraft. Deshalb, Lasten abgeben und loslassen.
Und dann brauche ich offene Augen und Ohren, muss hinschauen und hinhören, will ich die Lasten erkennen, an denen andere schwer zu tragen haben.
Ich bin mir sicher, dass wir in den vor uns liegenden Tagen dieser Woche noch viele Gelegenheiten entdecken, wo wir einander Lasten abnehmen können, einander tragen können.
Vielleicht sind wir es dann, die zur richtigen Zeit, dem richtigen Menschen, ein gutes Wort zusprechen, mit einem einfühlsamen Blick Hoffnung schenken oder mit einem beherzten Anpacken den Alltag zu bewältigen helfen.

»Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.« (Gal 6,2)

Stellen wir uns in die Gemeinschaft und tragen je die Last des oder der anderen, dann wird die Liebe zu Gott und zu unserem Nächsten, dann wird das Gesetz Christi, dann wird der Wochenspruch lebendige Realität, die nicht Lasten auferlegt, sondern hilft, sie zu tragen.

AMEN

 

Mittwochsandacht von Pfarrer Frank Weyen (01.07.2020)

Ich liebe Paranüsse zu essen. Darum gehe auch zur Cranger-Kirmes immer nur, um gebrannte Paranüsse zu kaufen. Wenn es diese in 5 Kilobeuteln gäbe, würde ich wohl der einzige auf unserem Volksfest sein, der diese großen Beutel kauft. Zwar sind das eigentlich gar keine echten Nüsse, sondern sie gehören zur Familie der Topffruchtgewächse, wie die Kokosnuss auch. Der Name Paranuss sagt auch schon, dass es keine echte Nuss ist. Eben eine Schein-Nuss. Aber egal, mir schmecken sie ganz besonders gut.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass am Strand Muscheln und große Steine immer oben liegen? Da ich auch gern Studentenfutter esse, beobachte ich das immer in den kleinen Packungen voller Nüsse und Rosinen. Aber auch in der Müslipackung liegen die größeren Nüsse, beispielsweise von der Haselnuss, immer oben. Diesen Effekt nennt man in der Physik den ‚Paranusseffekt‘. Das besagt, dass kleine Steine und kleinere Nüsschen und Splitter einfach wie bei einem Sieb immer zuerst nach unten durchrutschen und die dickeren Brocken einfach im ‚Sieb der Natur‘, wie zum Beispiel am Strand die großen Steine oder Muscheln, obenauf liegen bleiben. Eine witzige Laune der Natur.

Aus dem Kindergottesdienst meiner Kindheit ist mir die Geschichte im Gedächtnis geblieben, wo Gott zu Abraham sagt, dass seine Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel oder wie der Sand am Meer sein werden. Das ist schon ein großes Wunder, wenn man bedenkt, wie unendlich viele Sterne und wieviel unendlich viele Sandkörner es am Strand gibt. In unserer Zeit würden wir behaupten, dass das doch gar nicht sein könne, dass Abraham über die Jahrtausende verteilt so viele Nachkommen haben würde. Aber Sterne und Sand stehen für die unendliche Zahl, denke ich, während ich wieder eine Paranuss verdrücke. Wenn wir aber die unzähligen Christinnen und Christen auf unserer Erde zum Judentum hinzurechnen und auch die Menschen muslimischen Glaubens, die sich ja auch auf Abraham als Stammvater Ibrahim zurückführen, dann wird auf die Geschichte der Menschheit verteilt eine Wahrheit draus. Abraham, Isaak, Jakob, die Könige David und Salomo, die Propheten, Jesus Christus und die Apostel sind im Meeressand die großen Steine, die beim ‚Paranusseffekt der Weltreligionen‘ obenauf sichtbar liegen geblieben sind. Sie sind der Wahrheitsbeweis dafür, dass der Glaube an den einen Gott Abrahams unendlich viele Menschen in unserer Welt erreicht und zum ewigen Leben geführt hat. Und an ihnen können wir uns orientieren, wenn es im Leben mal drunter und drüber geht und wir uns fragen, wo ist Gott eigentlich?

Ich bin am ‚Strand des Meeres des Glaubens‘ nur ein kleines Sandkorn, das irgendwie durchgerutscht ist. Aber es ist für mich immer sehr beruhigend, dass obenauf die großen Steinzeugen der Geschichte Gottes mit den Menschen liegengeblieben sind, auf die ich mich verlassen kann.

Wenn ich demnächst wieder am Strand meinen Urlaub verbringen werde, denke ich an Abraham, wenn ich die großen Muscheln und Steine sehen werde. Gottes Zusage an ihn gilt bis heute: „Ich will dich segnen und deine Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres“ (1. Mose 22,17).

Paranüsse sind gar nicht so schlecht und immer obenauf. Ich mag sie einfach.

Mittwochsandacht von Pfarrer Ferdinand Kenning (24.06.2020)

Liebe Schwester, lieber Bruder,

Eine der schönsten und charmantesten Fragen, denen man in seinem Leben persönlich nachgehen kann, möchte ich dir heute stellen:
            „Wie wirkt Gott eigentlich in deinem Leben?“

Man kann viele unterschiedliche Dinge anführen, warum diese Frage so schön ist und was sie so charmant sein lässt. Etwa weil es uns Menschen unmöglich ist, eine endgültige und abschließende Antwort auf sie zu geben. Denn das ist allein Gott vorbehalten. Und so zeigt sich, dass die Frage charmant ist, da sie uns immer wieder und immer weiter dazu anleitet über Gottes Wirken in unserem Leben nachzudenken.

Und dann ist diese Frage schön, weil sie so schön auf Gott hinweist. Sie lenkt deine Gedanken dahin, dass du über dich nicht als „zufälligerweise existierendes Einzelwesen“ denkst, sondern dass  Gott mit dir ist. Sonst würde er ja gar nicht in deinem Leben wirken wollen. Aber weil es Sein Wille war, dass es dich gibt und Sein Wunsch, dass du mit ihm in Gemeinschaft lebst, hat er dir das Leben verliehen.

Einer der vielen, vielen anderen Gründe warum diese Frage etwas Besonderes ist, ist, dass sie dich über das Gute und Heilsame deines Lebens nachdenken lässt. Du kannst dem nachspüren, wo du gute Begegnungen hattest, wo du Kraft tanken kannst, aber auch wo du von Gott vom falschen auf den rechten Weg geführt worden bist. Wo es heilsam war, dass du von Gott korrigiert worden bist und du dich hast korrigieren lassen.

In der Volkskirche ist der Glaube an Engel weit verbreitet, was sich schon daran sehen lässt, dass Ps. 91, 11 (Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen) der wohl am häufigsten gewählte Taufspruch von Eltern kleiner Kinder ist.

Der unsichtbare Gott wirkt auch durch Engel, und die Bibel weiß, dass die uns auch in Form von anderen Menschen begegnen. Vielleicht hast du also Engel schon bei der Arbeit gesehen, aber nicht als solche erkannt. Also darfst du ganz spekulativ mal darüber nachdenken, ob dir schon der eine oder andere Engel beiseite gestanden hat (und ja, du darfst dir dabei auch sicher sein, dass es so war). Zuletzt hat die Frage etwas ganz Wunderbares, weil sie dich dafür öffnet Gottes Wirken immer mal wieder zu vermuten, und sie dich dadurch für Seine Wünsche in deinem Leben sensibler macht. Amen.

Mittwochsandacht von Pfarrerin Zuzanna Hanussek (17.06.2020)

Gott, Du bist mein Gott?  (nach Psalm 46 und Matthäus 11, 28ff)

Manchmal, da ist es so, als sei ich in der Fremde. Da fehlt mir jeder Mut. Jede Zuversicht ist verschwunden.
In solch eine Zeit hinein spricht Jesus: Kommt her zu mir. Kommt zu mir. Alle. Alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich werde euch entlasten. Erquickt werdet ihr sein.
Nehmt also auf euch mein Joch. Und lernt von mir.
Denn ich bin sanftmütig, nicht mutlos.
Ich bin demütig und stark. Meine Sicht ist klar.
Ihr werdet Ruhe finden in euren Seelen. Euer Geist kehrt heim aus der Fremde.

Denn mein Joch ist sanft.
Meine Last ist leicht.
Kommt, kommt, verlasst euch auf mich. Vertraut mir.
Werdet ihr mich anrufen, egal wann, egal wo: Ich bin da.

Auch wenn die Welt unterginge.
Und die Berge mitten ins Meer sänken.
Ich bin da.

Auch wenn das Meer wütete und wallte.
Und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.
Ich bin da.

Kommt, kommt zu mir.  Und schauet.
Kommt.

Seid stille und erkennet:
Ich bin Gott.
Seid voller Vertrauen.

Ich lasse euch nicht.
Ich lasse euch nicht.

Ich lasse dich nicht.
Ich bin dein Gott. Amen.

Mittwochsandacht von Pfarrer Frank Schröder (10.06.2020)

Liebe Leser,

                                     

"mit TUI die schönsten Metropolen erleben" - das las ich heute als Werbesatz. Klar, der Sommer kommt, und die Urlaubszeit kommt. Rechtzeitig öffnen sich ja nun auch wieder die Grenzen, sodass wir reisen und fremde Städte kennen lernen können.

Meine absolute Lieblingsstadt ist Paris. Sie ist wie eine Symphonie von Berlioz - lebendig, quirlig, aber auch klassisch, mit viel Stil, edler Patina, großer Eleganz, die aber nicht einengt sondern genug Weltstadt - Freiheit lässt. Sie bietet eine imposante Geschichte, es gibt Glanz, Glanz, Glanz, großartige Bauten, hohen Luxus. Natürlich auch arme Menschen und Dreckecken, aber nicht viel. Dann Konsum, viel Essen in allen Formen, Kultur in Bauwerken, Museen, hochkarätigen öffentlichen Kunstwerken. 

Viel von allem, aber wenig, wenig ist von GOTT zu sehn. Damit meine ich: Keine öffentlich erkennbaren Zeichen von lebendiger Kirche oder Gemeinde, von Konzerten abgesehen keine Plakate mit kirchlichen Angeboten. 'Nur' die berühmten Kirchen als Sehenswürdigkeiten. Und vor ihnen geht es den meisten Menschen und Touristen weniger um ein gutes Foto von dem Bauwerk. Es geht mehr darum, dass ihr Gesicht vor dem Bauwerk auf einem tollen Selfie ist. Sehr symbolisch.

Am Sonntag ist viel Betrieb an den Sehenswürdigkeiten, Freizeit und Relax in den Parks, an der Seine, vor Schaufenstern und in Brasserien. Dass in erkennbarem Umfang die Gottesdienste aufgesucht werden, kann man nicht gerade sagen. Als wenn die Stadt mit all ihren vielen Gesichtern an GOTT vorbei sieht. 

 

Ich muss an das Alte Testament und den Mann Abraham denken. Er ist auf der Reise in die große Stadt Sodom und bittet für sie bei GOTT um Gnade: Und wenn 50 Gerechte in der Stadt sein sollten Herr? (1. Mose 18,16ff) Und ich denke an Paulus in Athen, der 'ergrimmte', als er die Stadt voller Götzenbilder sah. Und predigt ihnen das Evangelium von dem wahren GOTT (Apg 17). Und an Jona (Jona 3,1), dem von GOTT gesagt wird: Geh in die große Stadt Ninive, predige ihr, was ich dir sage!

 

Ich bin nicht Paulus, und in unserer Stadt Herne sind leider auch genug Götzenbilder. Es fällt uns vielleicht nicht so auf, weil wir sie kennen, und weil sie weniger imposant sind. Ich frage mich: Wer ist in dieser Stadt Gott? Natürlich ist GOTT der Herr der Welt und über jede Stadt. Aber die Bibel selbst zeigt uns durchaus Unterschiede. Nach dem Besuch von Athen kommt Paulus nach Korinth und GOTT sagt ihm: Fürchte dich nicht, rede und schweige nicht, ich habe ein großes Volk in dieser Stadt. (Apg 18,10)

 

In Paris ist über die Jahrhunderte auch gepredigt worden, aber das Volk, das davon übrig geblieben ist, scheint sehr klein zu sein. Trotzdem bin ich immer wieder gerne in Paris! Kann mich, wenn es zur Heimfahrt geht, immer nicht richtig losreißen. Mache noch ein paar Extrarunden, bevor es auf die Autobahn geht. Ich sage, so zum Abschied: Tschüss, du Schöne. Aber die Stadt antwortet natürlich nicht. Sie interessiert sich keinen Funken dafür, dass ich morgen nicht mehr in ihr aufwache.

 

 

So ist das, lieber Leser, liebe Leserin. So lange du lebst wirst du in einer Stadt wohnen, selbst wenn du ein einzelnes Haus auf dem Acker kaufst, gehörst du zu einer Stadt. Womöglich wird der Name sich verändern. Wer weiß, in welcher Stadt du in 5 Jahren wohnst?

Ich wohne hier in Herne und wohne gerne hier, ja, ich identifiziere mich mit dieser Stadt. Ich will hier solidarisch sein und meine Steuern zahlen und will auch mit dem Evangelium dazu beitragen, dass es eine gute Stadt ist oder eine bessere wird. Aber meine letzte Identifikation ist diese Stadt nicht. Kann es schon deshalb nicht sein, weil ja meine Zeit hier begrenzt ist, das ist doch klar. Die letzte Stadt ist Jerusalem. Ist die neue Stadt Gottes. Dort interessiert man sich dafür, ob ich dabei bin, oder nicht. Dass ich da Bürgerrecht habe, das ist mir wichtiger als alle andern Städte.

 

Denn Jerusalem - das ist mehr als der Name einer Stadt. Jerusalem hatte in der Bibel seit Langem doppelte Bedeutung: die Hauptstadt des Volkes Israel  -  aber auch das neue Jerusalem; die ewige Stadt Gottes, in der er mit seinen Kindern wohnen wird. Zentrum und Sinnbild des Reiches Gottes, an dem wir in unseren Gemeinden heute schon mitbauen dürfen und auf das wir warten, dass es eines Tages für Alle sichtbar wird.  Jerusalem oder Zion ist also eine Tatsache. Und Jerusalem ist ein Versprechen! Eine geistliche Wirklichkeit, die dir heute schon dein echtes, dein ewiges zu Hause gibt, während du in den Städten dieser Welt wohnst.

 

Jerusalem - die Stadt Gottes, ist ein Ort des Reichtums, der Freude, der Erfrischung und Fruchtbarkeit. Denn in Psalm 46 steht: "Wir fürchten uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, frisches Wasser strömt durch die Gottesstadt, in der die heilige Wohnung des Höchsten ist. Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie festbleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen."

 

Und am Ende der Bibel ist von der Stadt Gottes noch einmal die Rede. Johannes spricht als Prophet Gottes: "Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; (…)  und der auf dem Thron saß (Jesus), sprach: Siehe, ich mache alles neu! Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst". (Off 21,2-5 in Auszügen)

 

In beiden Texten spielt das Wasser des Lebens eine Rolle. Damit wird diese Stadt eine wunderbare Verheißung und ein Hoffnungsort: Ort des Reichtums, der Freude, der Erfrischung und Fruchtbarkeit. Die ultimative und ewige Stadt, wo der auferstandene Herr alles neu macht. Wo das lebendige Wasser umsonst ist. In der man heute schon Bürgerrechte bekommen kann!     AMEN Pastor Frank Schröder

Mittwochsandacht von Pfarrer Ekkehard Kosslers (03.06.2020)

Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien. (Psalm 34,16)

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. (Matthäus 7,7)

 

In der Losung und dem Lehrtext für den heutigen Tag haben wir es mit zwei Sätzen zum Gebet zu tun. Das Jesuswort der Bergpredigt gebietet ausdrücklich das Beten, aber auch das Psalmwort ermuntert zum Beten und ruft dazu auf.

 Dass auch das Psalmwort ein Aufruf zum Gebet ist, wird ein wenig deutlicher, wenn wir den Psalm soweit es geht als Ganzes sprechen lassen und seine Geschichte ein wenig mit im Auge behalten. Ursprünglich waren die Psalmen wohl anonyme Gebete. Später wurden sie Gruppen und Personen zugeordnet, die unter anderem mit dem Vortrag des Textes im Gottesdienst beauftragt waren.

 Unser Psalm wurde dem David zugeordnet, beziehungsweise einem seiner Nachkommen. Es war also der König, der im Gottesdienst unseren Psalm anstimmte, der mit den Worten beginnt: “Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.“ Als der Vortrag durch den König nicht mehr möglich war, wurden etliche Psalmen mit einer biographischen Notiz aus dem Leben Davids versehen und so eng mit der Geschichte des Königs verknüpft. So war es gewissermaßen immer noch der König, der die Gemeinde aufrief: „Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!“ Denn der HERR hilft, rettet aus Schande und will euch fröhlich machen. „Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn traut!“

Und nun spricht der König unseren Losungstext. Er spricht uns zu: „Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten …“ Das ist keine neutrale Feststellung, sondern eine Zusage an die Gemeinde. Die Gerechten, die hier angesprochen sind, sind gerade nicht die Selbstgerechten. Es sind die, die sich Gottes Gnade und Güte gefallen lassen, davon leben und darauf immer wieder antworten wollen. Du bist es, lieber Leser, der mit dieser Anrede gemeint ist. Seine Ohren hören auch auf Dein Schreien. Wir als Gemeinde sollen diese Zusage hören und dürfen ihr vertrauen und sollen ihr antworten. Die Güte Gottes ist der Grund des Gebetes. So sagt Jesus im Anschluss an unseren Text. „Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!“

Zu Pfingsten lassen wir uns daran erinnern, dass es nicht unser, sondern das Werk des Heiligen Geistes ist, wenn wir Gott den Vater und den Sohn erkennen können, schmecken und sehen dürfen, wie freundlich der HERR ist und beten: „Zieh ein zu deinen Toren, sei meines Herzens Gast, … .“ und „Du bist ein Geist, der lehret, wie man recht beten soll; dein Beten wird erhöret, dein Singen klinget wohl, es steigt zum Himmel an, es lässt nicht ab und dringet, bis der die Hilfe bringet, der allen helfen kann.“ (EG 133 Paul Gerhardt)

Eine gesegnete Pfingstwoche wünscht Ihnen

Ihr Ekkehard Kosslers (Röhlinghausen)

Mittwochsandacht von Pfarrer Hans-Paul Ullrich (27.05.2020)

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

letzte Woche noch haben wir Christi Himmelfahrt gefeiert, uns an die Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in sein Reich erinnert.

In Wanne-Eickel haben wir dieses Fest noch nicht mit gemeinsamen Gottesdiensten in den Kirchen feiern können. Einige von uns haben vielleicht ein Online-Angebot wahrgenommen, oder die letzte Mittwochsandacht von Pfarrer Ferdinand Kenning gelesen, wieder andere haben einen Fernsehgottesdienst angesehen, und viele werden sich einfach über einen freien Tag und vielleicht ein langes Wochenende gefreut haben – christliche Feiertage in Zeiten von Corona, so ganz anders als sonst.

Jetzt gehen wir gemeinsam auf Pfingsten zu. An diesem Sonntag werden wir nach langer Zeit wieder in allen unseren Bezirken Gottesdienste in unseren Kirchen feiern. Darauf freue ich mich sehr. Mehr und mehr leide ich unter dem Verlust der Gemeinschaft, die ich sonst im Gottesdienst in der persönlichen Begegnung mit Schwestern und Brüdern erfahre. Und mich treibt die Frage um »Wie wird es weitergehen?«.

Den Verlust von Gemeinschaft erlebten wohl auch die Jüngerinnen und Jünger Jesu nach seiner Himmelfahrt. Jesus war nicht mehr unter Ihnen. »Wie wird es weitergehen?« werden auch sie sich vielleicht gefragt haben.

Die Apostelgeschichte beschreibt in ihrem ersten Kapitel in den Versen 12 bis 14 das, was die Jüngerinnen und Jünger damals taten.

»12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt und nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt. 13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus. 14 Diese alle hielten einmütig fest am Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.«

Alle hielten einmütig fest am Gebet.

Das ist ihr Weg, an der Gemeinschaft miteinander festzuhalten, sie zu festigen.  Das ist ihr Weg, in der Zeit bis zur Beantwortung der offenen Frage »Wie wird es weitergehen?« zu leben und als Christen und als Gemeinschaft zu überleben.

Alle hielten einmütig fest am Gebet.

Das ist es, was auch wir tun können. Am Gebet festhalten. Das, was Jesu Jüngerinnen und Jünger dann erfuhren, das kann uns ermutigen am Gebet festzuhalten. Pfingsten, Gott gießt seinen Geist über die Gemeinde aus. Und das verändert alles.

Die Jüngerinnen und Jünger erfahren, dass Menschen verstehen, wovon die Jünger sprechen, Menschen sich öffnen für Gottes Wort, Menschen den Weg zum Glauben finden. Die Gemeinschaft wächst.

Schon kommenden Sonntag feiern wir wieder Pfingsten in gemeinsamen Gottesdiensten in unseren Kirchen. Bis dahin lassen Sie uns alle festhalten am Gebet.

»Wie wird es weitergehen?« Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott seinen Geist auch heute ausgießen wird.

Wir halten fest am Gebet und vertrauen darauf, dass Gottes Geist alles verändert. Menschen verstehen, wenn wir Zeugnis vom Glauben ablegen, Menschen öffnen sich für Gottes Wort, Menschen finden den Weg zum Glauben.

Die Gemeinschaft wächst. Und all dies auch heute noch, bei all dem, was unsere Gemeinschaft in dieser Zeit belastet.

Diese Zuversicht wünsche ich uns. Und bis dahin halten wir fest am Gebet.

AMEN

Mittwochsandacht von Pfarrer Ferdinand Kenning (20.05.2020)

Apg 1

3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. 4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt; 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. 6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? 7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; 8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. 9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. 

 

Liebe Gemeinde,

am Donnerstag, 21. Mai 2020 ist Christi Himmelfahrt. Zu Himmelfahrt wird normalerweise in Holsterhausen in einem großen Festgottesdienst konfirmiert und eine Gruppe von aufgeregten und vorfreudigen Konfis tummelt sich vor und in der Kirche.  Damit hat man den Himmelfahrtsgottesdienst sehr aufgewertet und eine besondere Stellung im Leben der Gemeinde gegeben. Schließlich ist dieser kirchliche Feiertag einer, der es schwer haben könnte, weil er ja unter der Woche liegt, noch dazu mit dem großen Pfingstfest konkurrieren muss, und dann soll es ja angeblich auch noch jene geben, die ihn als Vatertag feiern, statt als Himmelfahrt unseres Herrn. 

Aber was wir an Christi Himmelfahrt feiern, ist so bedeutsam, dass es im apostolischen und nizänischen Glaubensbekenntnis festgehalten wurde. Es ist ein schöner Feiertag, und das Schöne an diesem Tag ist, dass es einfach nur um Jesus geht. Im wahrsten Sinne des Wortes wird Jesus erhoben. Damit spielt die Erzählung in Apg. 1,3-9 mit einem Wort, dass wir auch als Gotteslob kennen. Im Gottesdienst sagen oder singen wir immer wieder, dass wir Gottes oder Jesu Namen erheben. So steht es dann auch in Ps. 18:

Der HERR lebt! Gelobt sei mein Fels! Der Gott meines Heils sei hoch erhoben. (Ps. 18,47)

(Wer mag, kann dazu auch den sogenannten Philipperhymnus nachlesen Phil. 2, 5-11.) Die Geschichte in Apg. 1,3-9 führt uns vor unser inneres Auge, dass Jesus des Lobes würdig ist, mit dem wir Gott loben, denn Er ist der Sohn Gottes und fährt auf, um zur Rechten des Vaters im Himmel zu sitzen. So schildert die Geschichte von Jesu Himmelfahrt, dass Jesus Gott ist, so wie die Weihnachtsgeschichte erzählt, dass Gott Mensch geworden ist. Auf dem Konzil von Chalcedon 451 hat man das dann kurz und knapp festgehalten: Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott.

Christi Himmelfahrt steht damit in einer Reihe weiterer Festtage, die wir unserem Herrn und Bruder Christus feiern. Jeder der christlichen Feiertage sagt uns, wer Jesus ist. Denn wissen, wer Jesus ist, das kann man nur, wenn man weiß, woher er gekommen ist, wohin er gegangen ist, und woher er eines Tages wiederkommen wird. 

Oft habe ich mich gefragt, wie es wohl gewesen wäre, wenn man vor 2000 Jahren Jesus getroffen hätte. Bei der einen oder anderen Geschichte dabei gewesen zu sein, Ihn sprechen hören, oder sogar mal bei dem einen oder anderen Essen anwesend gewesen zu sein. 

Doch jemanden treffen ist eben noch lange nicht jemanden kennen.

Deswegen sollen wir Christen, nicht sein wie die Pharisäer, die Jesus nur getroffen, aber nie wirklich kennengelernt haben. Jesus sagt in Joh 8,14:

Denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe;
ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe.


Das Kirchenjahr hilft uns dabei Jesus kennenzulernen, indem es einen Zugang zur Bibel eröffnet. Jeder Feiertag hat bestimmte Texte der heiligen Schrift und das, was da geschehen ist, als Grundlage. Sie helfen uns dabei die Texte der Bibel zu sortieren, denn die Bibel ist eben auch einfach mal ein dickes Buch mit vielen Seiten, und es kann verwirrend sein, sich einen Leseweg durch sie zu bahnen. Gott sei Dank gibt es Feiertage wie Christi Himmelfahrt, die von der Geschichte Gottes mit seinem Volk erzählen, und uns darauf hinlenken Gott so kennenzulernen, wie er sich in Jesus Christus gezeigt hat: Als unser selbstlos liebender Gott, der unser Vertrauen verdient hat. 

Im geistlichen Leben ist es unsere Aufgabe durch das Gebet, und gerade im Lobpreis, aber auch im Lesen der Bibel, sich immer wieder klar zu werden, wer Jesus ist. Denn eines Tages wird jede und jeder von uns Jesus treffen. Wie gut wird es sein, wenn man ihn vorher schon kennengelernt hat.

 

Herzliche Grüße
Euer Pfarrer Ferdinand Kenning
 

Mittwochsandacht von Vikar Lukas Horst (13.05.2020)

Prüft aber alles und das Gute behaltet

1. Thess 5,21

 

Diesen Satz schreibt Paulus an die Gemeinde in Thessaloniki. Und die Welt erlebt gerade einen riesigen Prüfungsprozess: Wir leben in einer Pandemie, und selbst die medizinischen Experten kennen dieses Szenario nur aus der Theorie, keiner hat so etwas schon mal mitgemacht. Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche wird geprüft, was der nächste richtige Schritt sein könnte. Am Ende wird man in der Rückschau vermutlich sagen: „Hier hätten wir wohl etwas weniger streng sein müssen, aber dort waren wir wohl zu schnell zu unvorsichtig“. Es wird geprüft und es wird behalten werden, was für eine (hoffentlich weit in der Zukunft liegende) ähnliche Situation gut bzw. hilfreich ist.

Aber nicht nur die Experten, sondern auch wir selbst sollen Prüfen. Für Paulus ist ein großes Prüfkriterium die gegenseitige Fürsorge der Gemeinde untereinander, und auch im Umfeld des heutigen Verses spricht er davon, füreinander und für jedermann dem Guten nachzujagen. Die Gemeinde Gottes lebt aus dem Füreinander, das aufeinander achtet. Aus der Gewissheit, dass Gott seine Gemeinde trägt, tragen ihre Glieder einander. Das ist umso wichtiger, als in den letzten Tagen in den sozialen Netzwerken Menschen auftreten, die Verschwörungstheorien verbreiten und diese unsichere Zeit dafür nutzen, ihren Extremismus und Populismus unter die Leute zu bringen. Sie legen sich die Dinge zurecht, wie sie ihnen passen, lassen Fakten unbeachtet und nehmen für sich in Anspruch, irgendwelche geheimen Vorgänge in der Welt zu durchschauen, die sonst niemand sieht. Und: Sie feinden einzelne Menschen und Menschengruppen an. Sie leben nicht aus einem Für-, sondern aus einem Gegeneinander. Diese Menschen pervertieren Prüfen und kritisches Denken. Sie lassen nur Argumente zu, die ihnen in den Kram passen. Das ist aber genau das Gegenteil von Prüfen und das Gute behalten. Wer etwas prüft, geht unvoreingenommen an eine Sache heran und lässt sich in seiner Sicht korrigieren. Das ist mitunter schwierig, weil verschiedene Perspektiven verschiedene Schwerpunkte setzen und man abwägen und gewichten muss. Echtes Prüfen macht den Blick frei – z.B. frei für den Menschen, der sich gerade in dieser Krise mehr aufreibt/aufreiben muss als andere und selbst etwas Fürsorge gebrauchen könnte. In diesem Sinne: Keine Prüfungsangst!

 

Ihr/Euer Lukas Horst

Mittwochsandacht von Pfarrer Michael Thoma (06.05.2020)

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

2. Kor 5,17

 

Das wäre jetzt wirklich mal Zeit, dass das Alte vergeht und Neues wird. Die ganze Pandemie hinter sich lassen und neu starten. Das Neue wäre wie das ganz Alte, also die Zeit vor Corona, während das damals Neue, also Corona, jetzt besser schnell das Alte sein soll. Verwirrend, aber kurz gesagt ist es doch so: Am besten wäre alles so wie früher! Also vor Corona. Früher war eben alles besser. Aber stimmt das? Ich bin skeptisch, ob ich alles wieder so haben will wie früher. Also bitte nicht falsch verstehen: ich will auch, dass das Virus weg ist, dass die Zahl der Toten nicht weiter steigt und der Grad der Einsamkeit wieder abnimmt. Aber war früher wirklich alles besser?

 

Paulus sagt dazu: Nö! Natürlich geht es Paulus nicht um Corona, sondern um etwas viel Wesentlicheres, nämlich das Wesen, das Menschsein. Und das verändert sich für jeden, der „in Christus“ ist, also in ihm verwurzelt ist. Es entsteht etwas Neues in mir. Paulus benutzt dafür ein Bild (Kol 3): Eine Umkleidekabine. Wer zu Jesus gehört, wird neu eingekleidet - Marke „g:sus“ (Achtung Wortspiel, englische Lautschrift, - die Marke gibt es übrigens wirklich) - um als Ebenbild Gottes zu leben.

 

Es mag manche Shoppingfreude enttäuschen, aber ich suche mir die Klamotten nicht selbst aus und ziehe sie mir auch nicht selbst an. Es ist mehr wie in diesen Filmen, wo jemand völlig Usseliges von einem Freund mit in die Shoppingmall genommen wird und hinterher nach dem Geschmack des Freundes durchgestylt wieder rausgeht und damit ein völlig neues Leben führt. Ich verändere mich nicht selbst. Jesus verändert mich. Keine Anstrengung der Welt hilft mir, mehr so zu leben, wie Gott mich sieht. Es geschieht an mir. Und was er mir anzieht, wird in seinen Augen zwar stylisch sein, aber er wird jeden Menschen anders kleiden. Mit dem, was sie oder er braucht, um als Ebenbild Gottes zu leben.

 

Das Umziehen geht dann meist aber nicht so schnell wie im Film. Vor 20 Jahren habe ich Gott um eine Sache gebeten, die er an mir verändern möge. Ein halbes Jahr lang. Dann geriet es aus meinem Blickfeld. Drei Jahre später saß ich auf dem Fahrrad, als mir schlagartig bewusst wurde, wie Gott dieses Gebet erhört und Stück für Stück umgesetzt hat. Nach drei Jahren erkannte ich, dass er mir ein neues T-Shirt angezogen hatte. Es ist mir nicht immer bewusst, welche Klamotten ich trage und wie Gott in mir wirkt. Andere Menschen haben dafür übrigens manchmal einen klareren Blick.

 

Das Letzte: Die alte Jogginghose und der Schlabberpulli. Ich liebe sie und mag sie nicht wegwerfen. Sind sie mir doch so vertraut. „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.” Wenn wir diesen Satz von Karl Lagerfeld im Bild der Umkleidekabine lesen, hat er damit nicht ganz Unrecht. Die alten Klamotten spielen auch neu eingekleidet immer wieder eine Rolle. Momente, in denen ich in der Verbundenheit in Jesus weiß, dass es mir als Ebenbild Gottes nicht gerecht wird, es mir aber egal ist, weil ich das Alte doch so anziehend finde. Ich persönlich werde weiterhin guten Gewissens Jogginghose zu Hause auf der Couch tragen, aber die Frage stellt sich mir, was meine Jogginghose als Mensch ist.

 

Früher war alles besser. Nö. Die neuen Klamotten sind schon schön. Die möchte ich nicht mehr ablegen. Und die Zeit nach oder mit Corona? Ich würde mir wünschen, dass auch hier etwas Neues wird. Die derzeitige Pause-Taste bietet mir persönlich, aber auch uns als Gesellschaft, die Chance zu wählen welche Klamotten wir zukünftig tragen wollen, wenn es um Klima, Wirtschaft, Bildung, Armut, das Miteinander und mich und meine Ressourcen wie Zeit und Kraft geht. Da möchte ich nicht weiter die alten Klamotten tragen. Ich würde gerne mal was Neues probieren. Mal schauen, wie es mir so steht.

 

Ihr/Euer Michael Thoma

Mittwochsandacht von Pfarrerin Zuzanna Hanussek (29.04.2020)

Jesus Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

 

Meine Seele, sie schreit zu Dir Gott.

Sie dürstet nach Dir.

 

Wann werde ich dahin kommen, dass ich Dein Angesicht schaue?

Gott, Tränen sind meine Speise Tag und Nacht.

Hilf mir. Hilf mir.

 

Diese Worte hat vor langer Zeit ein Mensch in Not formuliert. Die Bedrängnis ist da.

Sie wird nicht beschrieben. Ist sie groß oder klein? Wir wissen es nicht. Sie ist aber da. Das reicht.

In diesen Tagen der Ungewissheit, der Angst, der Bedrängnis wenden wir uns an Dich, Gott.  

Hörst Du uns? Oder müssen wir lauter werden? Oder leiser? Ganz leise. 

Und dann? Hören wir uns selbst. 

 

Was betrübst du dich, meine Seele? Bist so unruhig in mir? 

Weil du Gottes Stimme nicht vernimmst? Sein Angesicht verborgen bleibt?

 

Doch hören wir uns selbst, ist Gott nicht fern.

Trauen wir uns zu klagen, zu schreien, zu weinen, ist Gott nicht fern.

Achten wir auf andere, auf deren Kummer, auf ihre Sorgen.

Teilen wir ihre Furcht, ist Gott ganz nah.

 

Meine Seele, harre auf Gott, denn ich werde Ihm danken.

Er ist meine Hilfe. Er ist mein Gott. 

 

Amen.

Das Geschenk dieser Zeit - von Pfarrer Dr. Frank Weyen (22.04.2020)

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Frühlingsvollmond, dem ja unmittelbar Karfreitag bis Ostern folgen, war in diesem Jahr ganz besonders schön anzuschauen.
Sehr nah kam er unserer Erde in diesem Jahr am Palmsonntag und den folgenden Tagen bis Karfreitag.
Vielleicht ist dies ein kleiner Trost, wenn wir uns schon als Menschen an diesem Osterfest nicht sonderlich nahe kommen sollten.
Die Beschränkungen unseres Lebens bis dahin, dass wir keine Gottesdienste mehr feiern k
önnen, lässt uns Menschen als soziale Wesen ins Grübeln kommen, darüber, was uns in dieser österlichen Zeit wirklich fehlt.

  • Vielleicht ist es gerade nicht das Shoppen in den Einkaufszentren unserer Welt.
  • Vielleicht ist es eben nun gerade nicht das Reisen in aller Herren Länder, das für unser Leben unverzichtbar ist.
  • Vielleicht ist es nicht das, was wir beruflich erreicht haben, oder erreichen möchten, was Not tut.
  • Vielleicht ist es gerade die Nähe zu anderen Menschen, die uns fehlt, und die unser Leben im Wesentlichen ausmacht.

Aber, und das ist auch das Schöne an dieser Zeit: Homeoffice, Homeschooling, geschlossene Kitas, Eltern zuhause mit ihren Kindern: Im Aktionismus unserer Zeit vor der aktuellen Krise blieb oftmals wenig Zeit der Eltern für ihre Kinder oder der Kinder gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern.
Auch, wenn wir uns vielleicht manchmal in den Häusern und Wohnungen auf Dauer auf den ‚Keks‘ gehen sollten.
Es wird der Tag kommen, und sei es erst in 20 Jahren, da werden wir zurückblicken auf diese Zeit der krisenbedingten Nähe und des Zusammenseins und uns erinnern an eine nicht nur besondere, sondern auch an eine schöne Zeit einer Nähe zueinander, die wir lange nicht mehr gekannt haben.

  • Vielleicht nicht mehr, seit wir das Verliebtsein in einen Menschen in uns gespürt haben.
  • Sei es die Verliebtheit in unsere Partnerin oder unsern Partner,
  • sei es in die tiefe Liebe, wenn ein Kind geboren wird,
  • oder die anrührende Zufriedenheit der Kindheit, wenn es Weihnachten war.

Momente des Innehaltens, die sind uns in diesen Zeiten geschenkt.
Nachzudenken über uns und unsere Mitmenschen, nachzudenken über das, was wirklich wichtig ist.
„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Martin Luther einst gesagt haben und damit etwas über die Hoffnung ausgedrückt haben, die im Hoffen auf Gott liegt.
Und Dietrich Bonhoeffer, dessen 75. Todestag wir an Karfreitag gedacht haben, sagte ähnlich wie Luther: „Mag sein, dass morgen der jüngste Tag anbricht. Dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen - vorher aber nicht.“

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den letzten Wochen habe ich sonntags um 10.00 Uhr das Läuten in unserer Christuskirche im Herzen von Wanne übernommen.
Dabei habe ich oftmals im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, gelesen.
Dort werden die letzten schrecklichen Ereignisse beschrieben, die unsere Welt treffen, bevor Gott sein Ewiges Reich mit seinem Sohn Jesus Christus errichten wird.
Bei all den Schrecken, bis hin zum Roten Drachen, der die Welt beherrschen und verwüsten will, die das ganze Buch der Apokalypse des Johannes durchziehen, zieht in den letzten beiden Kapiteln das neue Jerusalem herauf, und Gott tritt als Sieger dieser Kämpfe der Mächte und Gewalten auf.

(Off 21,1-5; 22,1) 1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! (22,1) Und es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen nicht des Lichts einer Lampe und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird über ihnen leuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Mond kam uns in diesem April sehr nahe. Aber, wenn schon ein zu Gottes Schöpfung gehörendes Gestirn wie der Mond uns etwas von Nähe berichten kann, wieviel mehr kommt Gott uns nahe in diesen Tagen?
An Karfreitag im Tod seines Sohnes Jesus Christus am Kreuz von Golgatha und an Ostern in seiner Auferstehung zum ewigen Leben.
Dieses ewige Leben hat Jesus uns nahe gebracht und durch die Taufe uns geschenkt.

So wie der große schöne Frühlingsvollmond in diesen Tagen ein Geschenk der Nähe eines Gestirnes auf unserem derzeit so schwer bedrängten Erdenrund ist, so ist Ostern Zeichen für Gottes Nähe zu uns in dieser österlichen Zeit.
Der Mond, als Gottes Geschöpf, ist zugleich das feste Hoffnungszeichen, dass der scheinbar unsichtbare Gott an Ostern durch die Auferweckung seines Sohnes Jesus Christus sich für uns sichtbar macht.
Vergessen wir nicht, dass in leichten wie in schweren Tagen, in guten und in schlechten Zeiten Gott uns näher ist als alle Gestirne und alle Menschen, die wir kennen. Darum bleibt es auch in diesen entbehrungsreichen Zeiten bestehen: Dann erst legen wir die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand – vorher aber nicht.

Dr. Frank Weyen ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Eickel für den Bereich Wanne-Süd und Wanne-Mitte.

Mittwochsandacht von Pfarrerin Saskia Karpenstein (15.04.2020)

Liebe Menschen in Nah & Fern und in Wanne-Eickel!

Im Moment komme ich mir manche Tage vor wie Jona. Er ist die Hauptperson in der vertrauten Bibel-Geschichte, die ich in Kindertagen das erste Mal gehört und seitdem vielfach gepredigt habe. Eine Erzählung aus dem Alten Testament und nicht nur für Kinder.

Jona lebt in schwierigen, spannungsreichen Zeiten. Er selbst ist ein frommer Mann Gottes, ein Prophet mit einem klaren Auftrag. Gott schickt ihn, den Menschen zu predigen. Sie sollen sich zu Gott wenden, Buße tun und ihr Leben von Grund auf ändern.

Jona fürchtet sich vor der Reaktion der Menschen und verweigert sich dem Auftrag Gottes. Er flieht mit einem Schiff. Aber Gott spürt ihn auf, und das Boot gerät in einen bedrohlichen Sturm. Nach einigem Rätselraten und der Diskussion der Schiffs-Mannschaft wird klar: Jona muss über Bord, denn nur so können die anderen aus der lebensgefährlichen Situation gerettet werden. Gesagt, getan und so stürzt Jona in die Tiefen des Meeres.

Wie wird es weitergehen? Das ist die große Frage im Leben Jonas und aktuell in meinem Leben. Politikerinnen und Virologen, Medienwelt und Wirtschaft, Pflege- und Bildungseinrichtungen beschäftigen sich angesichts der Corona-Pandemie weltweit mit Gefahrenabwägung und Prognosen.

Wie wird es weitergehen? Die Antwort ist noch offen, und ich scheine wie Jona in die Tiefe zu fallen. Was mir Halt und Struktur im Alltag gab, entgleitet mir. Ich vermisse Kontakte und Leichtigkeit. Ich bin abwechselnd wütend und ohnmächtig. Mein Tatendrang ruft „man muss doch etwas machen können“, um im nächsten Moment dem Eindruck zu weichen, dass mein Tun nichts verändert.

Soll ich versuchen, in dem Ganzen etwas Positives zu sehen? Einige loben die erzwungene Entschleunigung und erhoffen sich eine humanere Gesellschaft. Entsprechende Videos werden zahlreich verschickt. Ich bin skeptisch und fürchte eher die weitere Spaltung in Gewinner*innen und Verlierer*innen. Nein, so einfach ist es nicht, dass wir Menschen besser werden. Gelegenheiten hätte es im Laufe der Geschichte unzählige gegeben. Wir bleiben als Menschen, wer wir sind.

Jona wird über Bord geworfen in die Wogen des Meeres – und ertrinkt nicht. Es ist die Szene, in der Kinder beim Erzählen aufatmen und sich staunend den Wal-Bauch ausmalen, in dem Jona Schutz findet. Jona hält Dialog mit Gott, ist auf sich selbst zurückgeworfen und zur Untätigkeit gezwungen. Vergleichbar vielleicht mit einer Quarantäne-Situation. Jona muss es aushalten und auf die Hoffnung setzen.

Meine Hoffnung ist Gottes Wort, das sich so wunderbar vielfältig erweist. Es ist wie ein roter Faden, der sich durch die Geschichte der Menschen zieht, durch mein Leben. Er ist gute Wendung und Trost in Sackgassen. In der Bibel finde ich das Wort Gottes in aller Weisheit und Verborgenheit, in den Antworten und Fragen. Wort Gottes meint den menschgewordenen Jesus Christus, der begraben war - ähnlich wie Jona im Fischbauch – und zurückkehrt ins Leben. Noch ist es dunkel und gleichzeitig trägt mich Hoffnung.

Jonas Zeit im Wal nimmt irgendwann ein Ende, und er kommt zurück an Land. Er nimmt sein Leben wieder auf – wie hoffentlich wir alle früher oder später auch. Jona wird weiter mit Gott ringen und überrascht sein von dessen Liebe und Barmherzigkeit, die er den Menschen zukommen lässt. Eine zweite unerwartete Rettung in dieser Geschichte, die Gott seinen Geschöpfen und seiner Schöpfung schenkt. So schenkt sich Gott in Jesus, ohne dass wir uns das verdienen können oder müssen.

♫ ♫   Freut euch alle, es ist Ostern. Halleluja, Jesus lebt.

Ich grüße Sie ganz herzlich – bleiben Sie behütet,

Ihre Pfarrerin Saskia Karpenstein

Mittwochsandacht von Pfarrer Dr. Frank Weyen (08.04.2020)

Diese Mittwochsandacht ist gleichzeitig die Passionsandacht zum Hören vom 08.04.2020.
Zum Hören bitte hier klicken. Die Liturgie dazu gibt es hier.

Lukas 10,42 - Pfr. Frank Schröder (01.04.2020)

Liebe Gemeinde und liebe Leser,

es ist so manches sehr außergewöhnlich in diesen Tagen. Schon heute bin ich überzeugt, dass die aktuelle Krise im Nachgang für manche mehr oder weniger weitsichtige oder hilfreiche Erkenntnis wird herhalten müssen. Und so verschieden wie wir alle sind, sind garantiert auch die Beobachtungen, die wir an der besonderen Situation machen.

Mir zum Beispiel ist aufgefallen, wie ansonsten unverzichtbare Tätigkeiten doch plötzlich entfallen können. Wie an Tabuthemen auf einmal doch gearbeitet werden kann.

Wie höchstwichtige Sitzungen entfallen, Examina verschoben und Hochzeiten abgesagt sind. Wie sogar Jahrhundertinstitutionen ausgesetzt werden. Oder wer von euch kann sich erinnern, dass schon mal Gottesdienste, gar der Ostergottesdienst gestrichen wurden?

Fast hätte ich gesagt, es ist wie im Krieg. Den habe ich selbst nicht erlebt und bin dankbar dafür. Aber mein aus Familienerzählungen und rudimentärem historischen Wissen gewonnenes Bild darüber kommt in dieser Beziehung(!) der aktuellen Lage doch ein bisschen nahe.

Und allemal ist das nicht nur eine Frage für Krisenzeiten:

Auf was kann ich zur Not auch verzichten? Was soll noch gültig bleiben?

Was bleibt wirklich wichtig?

Welche Ansprüche oder Tätigkeiten, welche Leistungen, die undiskutable Autorität zu haben scheinen, können auch ganz anders beurteilt werden? Müssen es um ihrer selbst willen sogar von Zeit zu Zeit, weil sie im Gewand eines überhöhten Geltungsanspruchs ihre Seriosität verlieren und albern werden? Was hat Priorität, was kann auch mal sein gelassen werden?

Diese Frage ist auch im normalen Alltagsbetrieb sinnvoll:

Welchen dreisten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder ideologischen Erwartungen muss man mal alle Ansprüche absprechen? Und zwar, um wieder Luft zu kriegen, aber auch aus einem fetten theologischen Grund. Ich meine das erste Gebot: ICH bin der Herr dein GOTT!

Oder mal etwas milder gesprochen und betrachtet mit Hilfe der euch sicher bekannten Episode aus Lukas 10. JESUS besucht zwei Schwestern, die je in ihrer Art auf den Besuch reagieren. Marta ist im Dienst für den Besuch. Sie kümmert sich um Erfrischung, bequemes Sitzen, Getränke, Verköstigung und vielleicht auch schon mal das Nachtlager. Ihre Schwester Maria sitzt bei JESUS und hört ihm zu. Darüber beschwert sich die Marta dann beim Herrn, aber er antwortet ihr: Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist Not! V 41f

Eins ist Not.

Kannst du noch sehen, was es ist?

Oder ist dir dafür längst der Blick verstellt durch 'Brot und Spiele'? Durch das Ehrenamt oder das Elternamt, durch Sorgen und Besorgungen? Wie Marta haben auch wir manche wichtigen Dienste zu erledigen. Den Gartendienst und den Tischdienst, manchmal den Autodienst oder den Großelterndienst.

Was ist wirklich wichtig?

Bei Marta sehen wir: jedenfalls nicht zuerst unser Dienst. Wie befreiend das ist! JESUS sucht nicht zuerst das, was du tust. Auch nicht, was du haben oder erreichen willst. Er will zuerst etwas für uns tun, er will dich mit seinem Wort erreichen. Also, wirklich erreichen.

Das ist das Wesen des Glaubens, jedes einzelnen Christen:

Hinhören auf das Wort Christi.

Sich dem wirklich aussetzen.

Darum gibt es seit jeher Stundengebete als Unterbrechung der Arbeit. Darum läuten die Kirchenglocken mitten in den Alltag hinein. Damit wir uns immer wieder hinsetzen und fragen: Was hast du mir zu sagen?

Was sagst du zu meinem Tag? Meinem Leben? Wie steht es wirklich um mich?

Zeige mir durch dein Wort, wer ich bin. Verwandle mich.

Dazu muss uns das Wort, das er uns zu sagen hat, wirklich erreichen. Und das geht nicht im Vorübergehen mit einem kurzen Lesen der Losung. Das braucht etwas Zeit, wo ich es wirklich an mich heranlasse. Wo die Hände ruhen und der Kopf nichts andres denkt. Wo sonst nichts sein soll, wo ich mich auf den auferstandenen Herrn konzentriere:

Herr, hier bin ich.

Rede zu mir!

Und was er zu mir sagt, das gibt meinem Tun Richtung und Klarheit, das verwandelt mich, langsam, aber unbeirrbar, in der Tiefe meines Wesens. Sein Wort hat diese Kraft. Das ist das eine, das Not tut. Deshalb kann es neben allem Schwierigen auch ein Geschenk und eine neue Entdeckung sein, diese Zeit zu erleben und von ihr her neu die Frage zu beantworten:

Was ist wirklich wichtig?

In unserem Gesangbuch (eg) gibt es über diese Erkenntnis der Maria ein Lied. Es ist die Nummer 386, hier einmal nur die erste Strophe, die man einfach als persönliches Gebet übernehmen kann:

"Eins ist not ach Herr dies Eine lehre mich erkennen doch
Alles andre wie's auch scheine ist ja nur ein schweres Joch
darunter das Herze sich naget und plaget
und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget
Erlang ich dies eine, das alles ersetzt,
so werd ich mit Einem in allem ergötzt"

Oder, mit moderneren Worten, ein Lied aus unserem Jugendmeeting:

"When the music fades, all is stripped away, and I simply come
longing just to bring something that's of worth, that will bless your heart
I'm coming back to the heart of worship, and it's all about you,
all about you, Jesus"

Ich wünsche Ihnen in diesen Tagen Bewahrung an Leib und Seele.

Dass Ihnen in der Klarheit seines Geistes aufgeht, was wirklich zählt.

Und wünsche Ihnen Entschiedenheit allem 'Normalen' zu widersprechen, was sich dem entgegen stellt. Denn tatsächlich, es geht auch ganz anders.

GOTT segne Sie, Pfr. Frank Schröder

Andacht von Pfarrer Günter Mattner (25.03.2020)

„Fürchte dich nicht, denn ich stehe dir bei; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!
Ich mache dich stark, ich helfe dir, mit meiner siegreichen Hand beschütze ich dich!“

(Jesaja 41,10 – Übersetzung: Hoffnung für alle)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

der Satz „Jede Krise ist auch eine Chance“ begegnet uns in den letzten Wochen immer wieder. Er klingt gut, macht Mut. Er will uns hoffnungsvoll auf die Zeit danach – nach der Krise – einstellen und diese schwierige Phase so nutzen helfen, dass daraus noch ein „Gewinn“ entsteht.

Aber ganz ehrlich: Ich mag keine Krisen. Und da bin ich sicher nicht der Einzige. Wer mag sie schon, diese Krisen in Beziehungen und Ehen, um Finanzen und den Arbeitsplatz, Gesundheit und Alter, der eigenen Seele oder der Sorge um die Schwachheit des anderen? Solche Krisen und Sorgen um sich oder andere sind ungemein anstrengend. Wir erleben es zurzeit weltweit, wie Menschen um sich und ihre Freunde in Panik und Angst geraten. Das Hamstern von Toilettenpapier ist nur äußerer Ausdruck von innerer Hilflosigkeit. Tief im Innern der Menschen spielen sich ganz andere Szenen ab: Verlustängste, innerer Rückzug, der sich dann in Einsamkeit äußert, Angst, zu schwach zu sein oder zu werden. Nein, Krisen sind nicht schön. Und der Spruch „Da muss man durch“ hilft letztlich auch nicht wirklich. Denn alles, was man „muss“, ist wieder mit enormer Anstrengung verbunden, kostet Kraft, Nerven, Aufbäumen. Sich einer Herausforderung gelassen zu stellen, gelingt nicht jedem; und sich mit der Frage von Leid oder gar Tod zu beschäftigen, gehört auch in einer aufgeklärten Gesellschaft wie in Deutschland zu den Tabuthemen. Wie ist das also mit der Chance?

Ich habe mich gefragt, gab es eigentlich im Leben von Jesus Krisen? Auf der Suche nach einer Antwort bin ich recht schnell fündig geworden. Schon kurz nach seiner Taufe im Jordan – man könnte sagen, seiner Beauftragung durch Gott – wird ihm das Leben schwer gemacht. In Gestalt des Teufels – also des Gegners Gottes – wird Jesus auf trickreiche Weise herausgefordert, nur sich und seinen Vorteil zu suchen; was sollten ihn schon die Menschen kümmern. Oder: In den Diskussionen mit Schriftgelehrten und Menschen der Zeit war er stets in der „Erklärungs- und Aufklärungsrolle“ über Gottes Liebe und Treue. Jesus sprach von Gottes Freundschaft und nicht über Buchstabentreue, von Gottes Umarmung, ja, seiner Zuwendung und nicht von seinen Forderungen. Und zuletzt wird Jesus wenige Stunden vor seiner Gefangennahme deutlich: Der Tod – sein Tod – ist nahe. In dieser Erzählung aus dem Garten Gethsemane wird von Jesu tiefster Herausforderung, von seiner größten Not berichtet. Dort ringt er mit Gott um das zeitliche Überleben, betet, bis ihm der Schweiß zu Blut wird, und ist in all dem ganz allein, auch von seinen Jüngern verlassen.

Für mich hat diese Geschichte nicht nur heute eine große Bedeutung. In der Übersetzung von Martin Luther steht am Ende aller Einsamkeit und der Gebete Jesu das große Wort: „Es ist genug.“ Darin steckt nicht die Aufgabe, die Annahme des Scheiterns und auch nicht der Ausdruck von Resignation, sondern die tiefe Hinwendung Jesu zu seinem Vater, von dem er sich begleitet weiß.

Liebe Leserinnen und Leser, ich bin mir sicher, Gott kennt unsere Not, unsere Krise, unsere Fragen und erst recht unsere Angst um Leben und Zukunft. Das war bei Jesus so und das ist heute so. Und wenn wir so wie Jesus mit Gott ins Gespräch gehen, ihm unser Leid klagen, verstummt unser Herz bringen oder aus Verzweiflung weinen, wird er uns hören und antworten.

Bei Jesus war es ein Aufstehen und Annehmen des Weges und es war zugleich ein Durchschreiten aller Tiefen – bis, ja, bis zum Ostermorgen. Das Ende der Passion – allen Leides – war der Sieg. Nein, nicht die Not hatte gesiegt, sondern Gottes Versprechen: Ich sorge für dich, ich weiche nicht von dir, du bist mein Sohn.

Das, liebe Leserinnen und Leser, gilt bis heute. In einem alten Vers aus dem Buch Jesaja steht die Zusage:

Fürchte dich nicht, denn ich stehe dir bei;
hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!

Wenn ich das so in meinen und unseren Krisen höre, dann wird mir der Spruch „Jede Krise ist auch eine Chance“ ein stückweit „sympathisch“. Ich höre, dass Gott Ihnen und mir seine Nähe nicht versagt, auch wenn wir Nähe im Moment zu anderen Menschen meiden müssen, dass wir trotz aller Abgeschiedenheit in unseren Wohnungen nicht alleine sind, weil Gott da ist – nur ein Gebet entfernt. Ja, ich höre, dass er Ihnen und mir Kraft und Hoffnung ist, die über aller Hilflosigkeit und Ohnmacht steht.

Wollen wir uns doch nicht nur heute – wo uns diese Krise besonders lähmt – von Gottes Wort der Zuwendung und Begleitung aufrichten lassen und gestärkt unseren Weg mit ihm gehen.

In einem Lied heißt es im Refrain voller Gewissheit:
„Ich lasse mich fallen, tauch ein in deinen Liebesstrom.
Es ist nicht nur Fühlen, sondern Wissen:
Du bist da!“

 

Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Günter Mattner

Das Dritte Kreuzwort Jesu - Eine Andacht von Pfarrer Ferdinand Kenning (18.03.2020)

In Wanne-Eickel haben wir in unseren Bezirken Passionsandachten gefeiert, um in der Passionszeit dem Leiden und Sterben Jesu zu gedenken. In Holsterhausen hatten die Passionsandachten die Kreuzworte Jesu zum Thema.

Sieben Aussprüche Jesu am Kreuz sind in den Evangelien überliefert. In dieser Andacht wird das traditionell an dritter Stelle stehende Kreuzwort in den Mittelpunkt gestellt.

 

Joh 19

25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter
und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.

26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte,
spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter!
Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

 

So viel Schmerz in einer Szene. Zu viel Schmerz, als dass der Evangelist ihn in Worte fassen könnte. Er deutet ihn nur an, indem er aufzählt wer anwesend ist, als würde er einen sachlichen Bericht schreiben.

Jesus leidet am Kreuz. Wie sehr müssen die leiden, die ihn lieben, ganz besonders seine eigene Mutter?

Und dann ist da in dieser Szene so unbegreiflich viel Ohnmacht. Jesu Stunden auf der Erde sind gezählt, es bleibt nur schreckliches Warten, dass sie endlich zu Ende gehen. Dass es kommt, wie es kommen muss, und nach einem letzten Aufstöhnen der Erlöser selber erlöst wird.

Aber noch hängt er da am Kreuz, ist gefesselt und bezwungen.

Was für eine grausame Szene.

 

Und doch zeigt sich in dieser Szene so viel Zärtlichkeit, Liebe und Trost.

Seine Mutter, seine Tante, Maria Magdalena, Maria, die Frau des Klopas und Johannes, der Lieblingsjünger halten bei Jesus aus. Ertragen sein Leid und spenden damit Trost. Wie stark muss ihre Liebe sein, dass sie sich dem stellen?

Wie viel Selbstlosigkeit findet sich am Kreuz Jesu? Jesus richtet sich noch mit einigen seiner letzten Worte an seine Mutter und an Johannes, und während sich sein Ende naht, gründet er eine Gemeinschaft und gibt ihnen Weisung für die Zukunft. Als hätte Jesus nicht genug mit sich selber zu tun, gibt er den beiden einen Grund füreinander da sein zu wollen und zu leben, statt alleine zu verzweifeln.

Jesus hängt da gefesselt und bezwungen, und doch ist das Kreuz der Ort unbezwingbarer Liebe, denn es ist der Ort, an dem Gott uns seine Liebe offenbart.

Jesus hört selbst am Kreuz nicht auf zu lieben, lässt sich nicht zwingen so zu werden wie die, die ihn leiden lassen. Er liebt, wie Gott es tut, vergisst sich selber und kümmert sich darum, dass andere sich umeinander kümmern.

Jesu Worte in dieser Szene geben uns als Gemeinde in einer Zeit, in der wir uns aus dem geselligen Leben zurückziehen sollen, den Auftrag uns weiter umeinander zu kümmern.

 

Liebe Schwestern und Brüder, ihr könnt weiterhin Kontakt zueinander suchen, Trost spenden, und auch wenn der über‘s Telefon kommt, als Brief oder online stattfindet, wird er gut tun.

Und in Zeiten, in denen ihr euch ohnmächtig fühlt, könnt ihr Kraft aus der Liebe schöpfen, indem ihr ein Auge und ein Ohr für die Menschen in eurer Umgebung habt und aufeinander achtgebt.

Zur ganz praktischen Hilfe: Manchmal hilft man nicht, weil man nicht weiß, wie man helfen soll. Wenn das der Fall ist, dann weist doch einfach auf das Pfarrbüro hin. Die Gemeinde hilft gerne. So wollte es Jesus.

 

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte,
spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter!
Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

(Joh 19,25-26)

 

Herzliche Grüße

 

Ihr Pfarrer Ferdinand Kenning

Mittwochsandachten

Liebe Gemeinde,

in Zeiten von Corona und einer Phase, in der wir uns alle aus dem geselligen Leben zurückziehen, wollen wir hier nun jeden Mittwoch eine Andacht zum Lesen hochladen.

Dass wir in Wanne-Eickel eine Gemeinde sind, soll uns in diesen Tagen im Glauben stützen.
Darum wird jeder der fünf Bezirke auf seiner Homepage jeweils dieselbe Andacht hochladen, natürlich mit wechselnden Autoren.

Wir werden sonntags ab 10:00 zum Beginn der Gottesdienstzeit und um 10:30 zum gemeinsamen Vater Unser die Glocken läuten, damit wir örtlich entfernt, aber im Geist geeint beten können.
Und auch abends werden die Glocken läuten und uns zum Gebet rufen.
Lasst uns die Zeit dann auch dazu nutzen.

Als Beispiel für eine Gebetszeit zuhause finden Sie hier einige Texte wie "Mitten unter ihnen" und das "Berggebet" als Download.


Herzliche Grüße
Ihre Pfarrer und Pfarrerinnen aus der Ev. Kirchengemeinde Wanne-Eickel