Andacht von Pfarrer Günter Mattner

„Fürchte dich nicht, denn ich stehe dir bei; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!
Ich mache dich stark, ich helfe dir, mit meiner siegreichen Hand beschütze ich dich!“

(Jesaja 41,10 – Übersetzung: Hoffnung für alle)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

der Satz „Jede Krise ist auch eine Chance“ begegnet uns in den letzten Wochen immer wieder. Er klingt gut, macht Mut. Er will uns hoffnungsvoll auf die Zeit danach – nach der Krise – einstellen und diese schwierige Phase so nutzen helfen, dass daraus noch ein „Gewinn“ entsteht.

Aber ganz ehrlich: Ich mag keine Krisen. Und da bin ich sicher nicht der Einzige. Wer mag sie schon, diese Krisen in Beziehungen und Ehen, um Finanzen und den Arbeitsplatz, Gesundheit und Alter, der eigenen Seele oder der Sorge um die Schwachheit des anderen? Solche Krisen und Sorgen um sich oder andere sind ungemein anstrengend. Wir erleben es zurzeit weltweit, wie Menschen um sich und ihre Freunde in Panik und Angst geraten. Das Hamstern von Toilettenpapier ist nur äußerer Ausdruck von innerer Hilflosigkeit. Tief im Innern der Menschen spielen sich ganz andere Szenen ab: Verlustängste, innerer Rückzug, der sich dann in Einsamkeit äußert, Angst, zu schwach zu sein oder zu werden. Nein, Krisen sind nicht schön. Und der Spruch „Da muss man durch“ hilft letztlich auch nicht wirklich. Denn alles, was man „muss“, ist wieder mit enormer Anstrengung verbunden, kostet Kraft, Nerven, Aufbäumen. Sich einer Herausforderung gelassen zu stellen, gelingt nicht jedem; und sich mit der Frage von Leid oder gar Tod zu beschäftigen, gehört auch in einer aufgeklärten Gesellschaft wie in Deutschland zu den Tabuthemen. Wie ist das also mit der Chance?

Ich habe mich gefragt, gab es eigentlich im Leben von Jesus Krisen? Auf der Suche nach einer Antwort bin ich recht schnell fündig geworden. Schon kurz nach seiner Taufe im Jordan – man könnte sagen, seiner Beauftragung durch Gott – wird ihm das Leben schwer gemacht. In Gestalt des Teufels – also des Gegners Gottes – wird Jesus auf trickreiche Weise herausgefordert, nur sich und seinen Vorteil zu suchen; was sollten ihn schon die Menschen kümmern. Oder: In den Diskussionen mit Schriftgelehrten und Menschen der Zeit war er stets in der „Erklärungs- und Aufklärungsrolle“ über Gottes Liebe und Treue. Jesus sprach von Gottes Freundschaft und nicht über Buchstabentreue, von Gottes Umarmung, ja, seiner Zuwendung und nicht von seinen Forderungen. Und zuletzt wird Jesus wenige Stunden vor seiner Gefangennahme deutlich: Der Tod – sein Tod – ist nahe. In dieser Erzählung aus dem Garten Gethsemane wird von Jesu tiefster Herausforderung, von seiner größten Not berichtet. Dort ringt er mit Gott um das zeitliche Überleben, betet, bis ihm der Schweiß zu Blut wird, und ist in all dem ganz allein, auch von seinen Jüngern verlassen.

Für mich hat diese Geschichte nicht nur heute eine große Bedeutung. In der Übersetzung von Martin Luther steht am Ende aller Einsamkeit und der Gebete Jesu das große Wort: „Es ist genug.“ Darin steckt nicht die Aufgabe, die Annahme des Scheiterns und auch nicht der Ausdruck von Resignation, sondern die tiefe Hinwendung Jesu zu seinem Vater, von dem er sich begleitet weiß.

Liebe Leserinnen und Leser, ich bin mir sicher, Gott kennt unsere Not, unsere Krise, unsere Fragen und erst recht unsere Angst um Leben und Zukunft. Das war bei Jesus so und das ist heute so. Und wenn wir so wie Jesus mit Gott ins Gespräch gehen, ihm unser Leid klagen, verstummt unser Herz bringen oder aus Verzweiflung weinen, wird er uns hören und antworten.

Bei Jesus war es ein Aufstehen und Annehmen des Weges und es war zugleich ein Durchschreiten aller Tiefen – bis, ja, bis zum Ostermorgen. Das Ende der Passion – allen Leides – war der Sieg. Nein, nicht die Not hatte gesiegt, sondern Gottes Versprechen: Ich sorge für dich, ich weiche nicht von dir, du bist mein Sohn.

Das, liebe Leserinnen und Leser, gilt bis heute. In einem alten Vers aus dem Buch Jesaja steht die Zusage:

Fürchte dich nicht, denn ich stehe dir bei;
hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!

Wenn ich das so in meinen und unseren Krisen höre, dann wird mir der Spruch „Jede Krise ist auch eine Chance“ ein stückweit „sympathisch“. Ich höre, dass Gott Ihnen und mir seine Nähe nicht versagt, auch wenn wir Nähe im Moment zu anderen Menschen meiden müssen, dass wir trotz aller Abgeschiedenheit in unseren Wohnungen nicht alleine sind, weil Gott da ist – nur ein Gebet entfernt. Ja, ich höre, dass er Ihnen und mir Kraft und Hoffnung ist, die über aller Hilflosigkeit und Ohnmacht steht.

Wollen wir uns doch nicht nur heute – wo uns diese Krise besonders lähmt – von Gottes Wort der Zuwendung und Begleitung aufrichten lassen und gestärkt unseren Weg mit ihm gehen.

In einem Lied heißt es im Refrain voller Gewissheit:
„Ich lasse mich fallen, tauch ein in deinen Liebesstrom.
Es ist nicht nur Fühlen, sondern Wissen:
Du bist da!“

 

Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Günter Mattner

Das Dritte Kreuzwort Jesu - Eine Andacht von Pfarrer Ferdinand Kenning

In Wanne-Eickel haben wir in unseren Bezirken Passionsandachten gefeiert, um in der Passionszeit dem Leiden und Sterben Jesu zu gedenken. In Holsterhausen hatten die Passionsandachten die Kreuzworte Jesu zum Thema.

Sieben Aussprüche Jesu am Kreuz sind in den Evangelien überliefert. In dieser Andacht wird das traditionell an dritter Stelle stehende Kreuzwort in den Mittelpunkt gestellt.

 

Joh 19

25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter
und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.

26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte,
spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter!
Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

 

So viel Schmerz in einer Szene. Zu viel Schmerz, als dass der Evangelist ihn in Worte fassen könnte. Er deutet ihn nur an, indem er aufzählt wer anwesend ist, als würde er einen sachlichen Bericht schreiben.

Jesus leidet am Kreuz. Wie sehr müssen die leiden, die ihn lieben, ganz besonders seine eigene Mutter?

Und dann ist da in dieser Szene so unbegreiflich viel Ohnmacht. Jesu Stunden auf der Erde sind gezählt, es bleibt nur schreckliches Warten, dass sie endlich zu Ende gehen. Dass es kommt, wie es kommen muss, und nach einem letzten Aufstöhnen der Erlöser selber erlöst wird.

Aber noch hängt er da am Kreuz, ist gefesselt und bezwungen.

Was für eine grausame Szene.

 

Und doch zeigt sich in dieser Szene so viel Zärtlichkeit, Liebe und Trost.

Seine Mutter, seine Tante, Maria Magdalena, Maria, die Frau des Klopas und Johannes, der Lieblingsjünger halten bei Jesus aus. Ertragen sein Leid und spenden damit Trost. Wie stark muss ihre Liebe sein, dass sie sich dem stellen?

Wie viel Selbstlosigkeit findet sich am Kreuz Jesu? Jesus richtet sich noch mit einigen seiner letzten Worte an seine Mutter und an Johannes, und während sich sein Ende naht, gründet er eine Gemeinschaft und gibt ihnen Weisung für die Zukunft. Als hätte Jesus nicht genug mit sich selber zu tun, gibt er den beiden einen Grund füreinander da sein zu wollen und zu leben, statt alleine zu verzweifeln.

Jesus hängt da gefesselt und bezwungen, und doch ist das Kreuz der Ort unbezwingbarer Liebe, denn es ist der Ort, an dem Gott uns seine Liebe offenbart.

Jesus hört selbst am Kreuz nicht auf zu lieben, lässt sich nicht zwingen so zu werden wie die, die ihn leiden lassen. Er liebt, wie Gott es tut, vergisst sich selber und kümmert sich darum, dass andere sich umeinander kümmern.

Jesu Worte in dieser Szene geben uns als Gemeinde in einer Zeit, in der wir uns aus dem geselligen Leben zurückziehen sollen, den Auftrag uns weiter umeinander zu kümmern.

 

Liebe Schwestern und Brüder, ihr könnt weiterhin Kontakt zueinander suchen, Trost spenden, und auch wenn der über‘s Telefon kommt, als Brief oder online stattfindet, wird er gut tun.

Und in Zeiten, in denen ihr euch ohnmächtig fühlt, könnt ihr Kraft aus der Liebe schöpfen, indem ihr ein Auge und ein Ohr für die Menschen in eurer Umgebung habt und aufeinander achtgebt.

Zur ganz praktischen Hilfe: Manchmal hilft man nicht, weil man nicht weiß, wie man helfen soll. Wenn das der Fall ist, dann weist doch einfach auf das Pfarrbüro hin. Die Gemeinde hilft gerne. So wollte es Jesus.

 

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte,
spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter!
Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

(Joh 19,25-26)

 

Herzliche Grüße

 

Ihr Pfarrer Ferdinand Kenning

Mittwochsandachten

Liebe Gemeinde,

in Zeiten von Corona und einer Phase, in der wir uns alle aus dem geselligen Leben zurückziehen, wollen wir hier nun jeden Mittwoch eine Andacht zum Lesen hochladen.

Dass wir in Wanne-Eickel eine Gemeinde sind, soll uns in diesen Tagen im Glauben stützen.
Darum wird jeder der fünf Bezirke auf seiner Homepage jeweils dieselbe Andacht hochladen, natürlich mit wechselnden Autoren.

Wir werden sonntags ab 10:00 zum Beginn der Gottesdienstzeit und um 10:30 zum gemeinsamen Vater Unser die Glocken läuten, damit wir örtlich entfernt, aber im Geist geeint beten können.
Und auch abends werden die Glocken läuten und uns zum Gebet rufen.
Lasst uns die Zeit dann auch dazu nutzen.

Als Beispiel für eine Gebetszeit zuhause finden Sie hier einige Texte wie "Mitten unter ihnen" und das "Berggebet" als Download.


Herzliche Grüße
Ihre Pfarrer und Pfarrerinnen aus der Ev. Kirchengemeinde Wanne-Eickel