Mittwochsandacht von Pfarrer Hans-Paul Ullrich (27.05.2020)

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

letzte Woche noch haben wir Christi Himmelfahrt gefeiert, uns an die Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in sein Reich erinnert.

In Wanne-Eickel haben wir dieses Fest noch nicht mit gemeinsamen Gottesdiensten in den Kirchen feiern können. Einige von uns haben vielleicht ein Online-Angebot wahrgenommen, oder die letzte Mittwochsandacht von Pfarrer Ferdinand Kenning gelesen, wieder andere haben einen Fernsehgottesdienst angesehen, und viele werden sich einfach über einen freien Tag und vielleicht ein langes Wochenende gefreut haben – christliche Feiertage in Zeiten von Corona, so ganz anders als sonst.

Jetzt gehen wir gemeinsam auf Pfingsten zu. An diesem Sonntag werden wir nach langer Zeit wieder in allen unseren Bezirken Gottesdienste in unseren Kirchen feiern. Darauf freue ich mich sehr. Mehr und mehr leide ich unter dem Verlust der Gemeinschaft, die ich sonst im Gottesdienst in der persönlichen Begegnung mit Schwestern und Brüdern erfahre. Und mich treibt die Frage um »Wie wird es weitergehen?«.

Den Verlust von Gemeinschaft erlebten wohl auch die Jüngerinnen und Jünger Jesu nach seiner Himmelfahrt. Jesus war nicht mehr unter Ihnen. »Wie wird es weitergehen?« werden auch sie sich vielleicht gefragt haben.

Die Apostelgeschichte beschreibt in ihrem ersten Kapitel in den Versen 12 bis 14 das, was die Jüngerinnen und Jünger damals taten.

»12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt und nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt. 13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus. 14 Diese alle hielten einmütig fest am Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.«

Alle hielten einmütig fest am Gebet.

Das ist ihr Weg, an der Gemeinschaft miteinander festzuhalten, sie zu festigen.  Das ist ihr Weg, in der Zeit bis zur Beantwortung der offenen Frage »Wie wird es weitergehen?« zu leben und als Christen und als Gemeinschaft zu überleben.

Alle hielten einmütig fest am Gebet.

Das ist es, was auch wir tun können. Am Gebet festhalten. Das, was Jesu Jüngerinnen und Jünger dann erfuhren, das kann uns ermutigen am Gebet festzuhalten. Pfingsten, Gott gießt seinen Geist über die Gemeinde aus. Und das verändert alles.

Die Jüngerinnen und Jünger erfahren, dass Menschen verstehen, wovon die Jünger sprechen, Menschen sich öffnen für Gottes Wort, Menschen den Weg zum Glauben finden. Die Gemeinschaft wächst.

Schon kommenden Sonntag feiern wir wieder Pfingsten in gemeinsamen Gottesdiensten in unseren Kirchen. Bis dahin lassen Sie uns alle festhalten am Gebet.

»Wie wird es weitergehen?« Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott seinen Geist auch heute ausgießen wird.

Wir halten fest am Gebet und vertrauen darauf, dass Gottes Geist alles verändert. Menschen verstehen, wenn wir Zeugnis vom Glauben ablegen, Menschen öffnen sich für Gottes Wort, Menschen finden den Weg zum Glauben.

Die Gemeinschaft wächst. Und all dies auch heute noch, bei all dem, was unsere Gemeinschaft in dieser Zeit belastet.

Diese Zuversicht wünsche ich uns. Und bis dahin halten wir fest am Gebet.

AMEN

Mittwochsandacht von Pfarrer Ferdinand Kenning (20.05.2020)

Apg 1

3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. 4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt; 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. 6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? 7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; 8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. 9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. 

 

Liebe Gemeinde,

am Donnerstag, 21. Mai 2020 ist Christi Himmelfahrt. Zu Himmelfahrt wird normalerweise in Holsterhausen in einem großen Festgottesdienst konfirmiert und eine Gruppe von aufgeregten und vorfreudigen Konfis tummelt sich vor und in der Kirche.  Damit hat man den Himmelfahrtsgottesdienst sehr aufgewertet und eine besondere Stellung im Leben der Gemeinde gegeben. Schließlich ist dieser kirchliche Feiertag einer, der es schwer haben könnte, weil er ja unter der Woche liegt, noch dazu mit dem großen Pfingstfest konkurrieren muss, und dann soll es ja angeblich auch noch jene geben, die ihn als Vatertag feiern, statt als Himmelfahrt unseres Herrn. 

Aber was wir an Christi Himmelfahrt feiern, ist so bedeutsam, dass es im apostolischen und nizänischen Glaubensbekenntnis festgehalten wurde. Es ist ein schöner Feiertag, und das Schöne an diesem Tag ist, dass es einfach nur um Jesus geht. Im wahrsten Sinne des Wortes wird Jesus erhoben. Damit spielt die Erzählung in Apg. 1,3-9 mit einem Wort, dass wir auch als Gotteslob kennen. Im Gottesdienst sagen oder singen wir immer wieder, dass wir Gottes oder Jesu Namen erheben. So steht es dann auch in Ps. 18:

Der HERR lebt! Gelobt sei mein Fels! Der Gott meines Heils sei hoch erhoben. (Ps. 18,47)

(Wer mag, kann dazu auch den sogenannten Philipperhymnus nachlesen Phil. 2, 5-11.) Die Geschichte in Apg. 1,3-9 führt uns vor unser inneres Auge, dass Jesus des Lobes würdig ist, mit dem wir Gott loben, denn Er ist der Sohn Gottes und fährt auf, um zur Rechten des Vaters im Himmel zu sitzen. So schildert die Geschichte von Jesu Himmelfahrt, dass Jesus Gott ist, so wie die Weihnachtsgeschichte erzählt, dass Gott Mensch geworden ist. Auf dem Konzil von Chalcedon 451 hat man das dann kurz und knapp festgehalten: Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott.

Christi Himmelfahrt steht damit in einer Reihe weiterer Festtage, die wir unserem Herrn und Bruder Christus feiern. Jeder der christlichen Feiertage sagt uns, wer Jesus ist. Denn wissen, wer Jesus ist, das kann man nur, wenn man weiß, woher er gekommen ist, wohin er gegangen ist, und woher er eines Tages wiederkommen wird. 

Oft habe ich mich gefragt, wie es wohl gewesen wäre, wenn man vor 2000 Jahren Jesus getroffen hätte. Bei der einen oder anderen Geschichte dabei gewesen zu sein, Ihn sprechen hören, oder sogar mal bei dem einen oder anderen Essen anwesend gewesen zu sein. 

Doch jemanden treffen ist eben noch lange nicht jemanden kennen.

Deswegen sollen wir Christen, nicht sein wie die Pharisäer, die Jesus nur getroffen, aber nie wirklich kennengelernt haben. Jesus sagt in Joh 8,14:

Denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe;
ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe.


Das Kirchenjahr hilft uns dabei Jesus kennenzulernen, indem es einen Zugang zur Bibel eröffnet. Jeder Feiertag hat bestimmte Texte der heiligen Schrift und das, was da geschehen ist, als Grundlage. Sie helfen uns dabei die Texte der Bibel zu sortieren, denn die Bibel ist eben auch einfach mal ein dickes Buch mit vielen Seiten, und es kann verwirrend sein, sich einen Leseweg durch sie zu bahnen. Gott sei Dank gibt es Feiertage wie Christi Himmelfahrt, die von der Geschichte Gottes mit seinem Volk erzählen, und uns darauf hinlenken Gott so kennenzulernen, wie er sich in Jesus Christus gezeigt hat: Als unser selbstlos liebender Gott, der unser Vertrauen verdient hat. 

Im geistlichen Leben ist es unsere Aufgabe durch das Gebet, und gerade im Lobpreis, aber auch im Lesen der Bibel, sich immer wieder klar zu werden, wer Jesus ist. Denn eines Tages wird jede und jeder von uns Jesus treffen. Wie gut wird es sein, wenn man ihn vorher schon kennengelernt hat.

 

Herzliche Grüße
Euer Pfarrer Ferdinand Kenning
 

Mittwochsandacht von Vikar Lukas Horst (13.05.2020)

Prüft aber alles und das Gute behaltet

1. Thess 5,21

 

Diesen Satz schreibt Paulus an die Gemeinde in Thessaloniki. Und die Welt erlebt gerade einen riesigen Prüfungsprozess: Wir leben in einer Pandemie, und selbst die medizinischen Experten kennen dieses Szenario nur aus der Theorie, keiner hat so etwas schon mal mitgemacht. Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche wird geprüft, was der nächste richtige Schritt sein könnte. Am Ende wird man in der Rückschau vermutlich sagen: „Hier hätten wir wohl etwas weniger streng sein müssen, aber dort waren wir wohl zu schnell zu unvorsichtig“. Es wird geprüft und es wird behalten werden, was für eine (hoffentlich weit in der Zukunft liegende) ähnliche Situation gut bzw. hilfreich ist.

Aber nicht nur die Experten, sondern auch wir selbst sollen Prüfen. Für Paulus ist ein großes Prüfkriterium die gegenseitige Fürsorge der Gemeinde untereinander, und auch im Umfeld des heutigen Verses spricht er davon, füreinander und für jedermann dem Guten nachzujagen. Die Gemeinde Gottes lebt aus dem Füreinander, das aufeinander achtet. Aus der Gewissheit, dass Gott seine Gemeinde trägt, tragen ihre Glieder einander. Das ist umso wichtiger, als in den letzten Tagen in den sozialen Netzwerken Menschen auftreten, die Verschwörungstheorien verbreiten und diese unsichere Zeit dafür nutzen, ihren Extremismus und Populismus unter die Leute zu bringen. Sie legen sich die Dinge zurecht, wie sie ihnen passen, lassen Fakten unbeachtet und nehmen für sich in Anspruch, irgendwelche geheimen Vorgänge in der Welt zu durchschauen, die sonst niemand sieht. Und: Sie feinden einzelne Menschen und Menschengruppen an. Sie leben nicht aus einem Für-, sondern aus einem Gegeneinander. Diese Menschen pervertieren Prüfen und kritisches Denken. Sie lassen nur Argumente zu, die ihnen in den Kram passen. Das ist aber genau das Gegenteil von Prüfen und das Gute behalten. Wer etwas prüft, geht unvoreingenommen an eine Sache heran und lässt sich in seiner Sicht korrigieren. Das ist mitunter schwierig, weil verschiedene Perspektiven verschiedene Schwerpunkte setzen und man abwägen und gewichten muss. Echtes Prüfen macht den Blick frei – z.B. frei für den Menschen, der sich gerade in dieser Krise mehr aufreibt/aufreiben muss als andere und selbst etwas Fürsorge gebrauchen könnte. In diesem Sinne: Keine Prüfungsangst!

 

Ihr/Euer Lukas Horst

Mittwochsandacht von Pfarrer Michael Thoma (06.05.2020)

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

2. Kor 5,17

 

Das wäre jetzt wirklich mal Zeit, dass das Alte vergeht und Neues wird. Die ganze Pandemie hinter sich lassen und neu starten. Das Neue wäre wie das ganz Alte, also die Zeit vor Corona, während das damals Neue, also Corona, jetzt besser schnell das Alte sein soll. Verwirrend, aber kurz gesagt ist es doch so: Am besten wäre alles so wie früher! Also vor Corona. Früher war eben alles besser. Aber stimmt das? Ich bin skeptisch, ob ich alles wieder so haben will wie früher. Also bitte nicht falsch verstehen: ich will auch, dass das Virus weg ist, dass die Zahl der Toten nicht weiter steigt und der Grad der Einsamkeit wieder abnimmt. Aber war früher wirklich alles besser?

 

Paulus sagt dazu: Nö! Natürlich geht es Paulus nicht um Corona, sondern um etwas viel Wesentlicheres, nämlich das Wesen, das Menschsein. Und das verändert sich für jeden, der „in Christus“ ist, also in ihm verwurzelt ist. Es entsteht etwas Neues in mir. Paulus benutzt dafür ein Bild (Kol 3): Eine Umkleidekabine. Wer zu Jesus gehört, wird neu eingekleidet - Marke „g:sus“ (Achtung Wortspiel, englische Lautschrift, - die Marke gibt es übrigens wirklich) - um als Ebenbild Gottes zu leben.

 

Es mag manche Shoppingfreude enttäuschen, aber ich suche mir die Klamotten nicht selbst aus und ziehe sie mir auch nicht selbst an. Es ist mehr wie in diesen Filmen, wo jemand völlig Usseliges von einem Freund mit in die Shoppingmall genommen wird und hinterher nach dem Geschmack des Freundes durchgestylt wieder rausgeht und damit ein völlig neues Leben führt. Ich verändere mich nicht selbst. Jesus verändert mich. Keine Anstrengung der Welt hilft mir, mehr so zu leben, wie Gott mich sieht. Es geschieht an mir. Und was er mir anzieht, wird in seinen Augen zwar stylisch sein, aber er wird jeden Menschen anders kleiden. Mit dem, was sie oder er braucht, um als Ebenbild Gottes zu leben.

 

Das Umziehen geht dann meist aber nicht so schnell wie im Film. Vor 20 Jahren habe ich Gott um eine Sache gebeten, die er an mir verändern möge. Ein halbes Jahr lang. Dann geriet es aus meinem Blickfeld. Drei Jahre später saß ich auf dem Fahrrad, als mir schlagartig bewusst wurde, wie Gott dieses Gebet erhört und Stück für Stück umgesetzt hat. Nach drei Jahren erkannte ich, dass er mir ein neues T-Shirt angezogen hatte. Es ist mir nicht immer bewusst, welche Klamotten ich trage und wie Gott in mir wirkt. Andere Menschen haben dafür übrigens manchmal einen klareren Blick.

 

Das Letzte: Die alte Jogginghose und der Schlabberpulli. Ich liebe sie und mag sie nicht wegwerfen. Sind sie mir doch so vertraut. „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.” Wenn wir diesen Satz von Karl Lagerfeld im Bild der Umkleidekabine lesen, hat er damit nicht ganz Unrecht. Die alten Klamotten spielen auch neu eingekleidet immer wieder eine Rolle. Momente, in denen ich in der Verbundenheit in Jesus weiß, dass es mir als Ebenbild Gottes nicht gerecht wird, es mir aber egal ist, weil ich das Alte doch so anziehend finde. Ich persönlich werde weiterhin guten Gewissens Jogginghose zu Hause auf der Couch tragen, aber die Frage stellt sich mir, was meine Jogginghose als Mensch ist.

 

Früher war alles besser. Nö. Die neuen Klamotten sind schon schön. Die möchte ich nicht mehr ablegen. Und die Zeit nach oder mit Corona? Ich würde mir wünschen, dass auch hier etwas Neues wird. Die derzeitige Pause-Taste bietet mir persönlich, aber auch uns als Gesellschaft, die Chance zu wählen welche Klamotten wir zukünftig tragen wollen, wenn es um Klima, Wirtschaft, Bildung, Armut, das Miteinander und mich und meine Ressourcen wie Zeit und Kraft geht. Da möchte ich nicht weiter die alten Klamotten tragen. Ich würde gerne mal was Neues probieren. Mal schauen, wie es mir so steht.

 

Ihr/Euer Michael Thoma

Mittwochsandacht von Pfarrerin Zuzanna Hanussek (29.04.2020)

Jesus Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

 

Meine Seele, sie schreit zu Dir Gott.

Sie dürstet nach Dir.

 

Wann werde ich dahin kommen, dass ich Dein Angesicht schaue?

Gott, Tränen sind meine Speise Tag und Nacht.

Hilf mir. Hilf mir.

 

Diese Worte hat vor langer Zeit ein Mensch in Not formuliert. Die Bedrängnis ist da.

Sie wird nicht beschrieben. Ist sie groß oder klein? Wir wissen es nicht. Sie ist aber da. Das reicht.

In diesen Tagen der Ungewissheit, der Angst, der Bedrängnis wenden wir uns an Dich, Gott.  

Hörst Du uns? Oder müssen wir lauter werden? Oder leiser? Ganz leise. 

Und dann? Hören wir uns selbst. 

 

Was betrübst du dich, meine Seele? Bist so unruhig in mir? 

Weil du Gottes Stimme nicht vernimmst? Sein Angesicht verborgen bleibt?

 

Doch hören wir uns selbst, ist Gott nicht fern.

Trauen wir uns zu klagen, zu schreien, zu weinen, ist Gott nicht fern.

Achten wir auf andere, auf deren Kummer, auf ihre Sorgen.

Teilen wir ihre Furcht, ist Gott ganz nah.

 

Meine Seele, harre auf Gott, denn ich werde Ihm danken.

Er ist meine Hilfe. Er ist mein Gott. 

 

Amen.

Das Geschenk dieser Zeit - von Pfarrer Dr. Frank Weyen (22.04.2020)

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Frühlingsvollmond, dem ja unmittelbar Karfreitag bis Ostern folgen, war in diesem Jahr ganz besonders schön anzuschauen.
Sehr nah kam er unserer Erde in diesem Jahr am Palmsonntag und den folgenden Tagen bis Karfreitag.
Vielleicht ist dies ein kleiner Trost, wenn wir uns schon als Menschen an diesem Osterfest nicht sonderlich nahe kommen sollten.
Die Beschränkungen unseres Lebens bis dahin, dass wir keine Gottesdienste mehr feiern k
önnen, lässt uns Menschen als soziale Wesen ins Grübeln kommen, darüber, was uns in dieser österlichen Zeit wirklich fehlt.

  • Vielleicht ist es gerade nicht das Shoppen in den Einkaufszentren unserer Welt.
  • Vielleicht ist es eben nun gerade nicht das Reisen in aller Herren Länder, das für unser Leben unverzichtbar ist.
  • Vielleicht ist es nicht das, was wir beruflich erreicht haben, oder erreichen möchten, was Not tut.
  • Vielleicht ist es gerade die Nähe zu anderen Menschen, die uns fehlt, und die unser Leben im Wesentlichen ausmacht.

Aber, und das ist auch das Schöne an dieser Zeit: Homeoffice, Homeschooling, geschlossene Kitas, Eltern zuhause mit ihren Kindern: Im Aktionismus unserer Zeit vor der aktuellen Krise blieb oftmals wenig Zeit der Eltern für ihre Kinder oder der Kinder gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern.
Auch, wenn wir uns vielleicht manchmal in den Häusern und Wohnungen auf Dauer auf den ‚Keks‘ gehen sollten.
Es wird der Tag kommen, und sei es erst in 20 Jahren, da werden wir zurückblicken auf diese Zeit der krisenbedingten Nähe und des Zusammenseins und uns erinnern an eine nicht nur besondere, sondern auch an eine schöne Zeit einer Nähe zueinander, die wir lange nicht mehr gekannt haben.

  • Vielleicht nicht mehr, seit wir das Verliebtsein in einen Menschen in uns gespürt haben.
  • Sei es die Verliebtheit in unsere Partnerin oder unsern Partner,
  • sei es in die tiefe Liebe, wenn ein Kind geboren wird,
  • oder die anrührende Zufriedenheit der Kindheit, wenn es Weihnachten war.

Momente des Innehaltens, die sind uns in diesen Zeiten geschenkt.
Nachzudenken über uns und unsere Mitmenschen, nachzudenken über das, was wirklich wichtig ist.
„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Martin Luther einst gesagt haben und damit etwas über die Hoffnung ausgedrückt haben, die im Hoffen auf Gott liegt.
Und Dietrich Bonhoeffer, dessen 75. Todestag wir an Karfreitag gedacht haben, sagte ähnlich wie Luther: „Mag sein, dass morgen der jüngste Tag anbricht. Dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen - vorher aber nicht.“

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den letzten Wochen habe ich sonntags um 10.00 Uhr das Läuten in unserer Christuskirche im Herzen von Wanne übernommen.
Dabei habe ich oftmals im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, gelesen.
Dort werden die letzten schrecklichen Ereignisse beschrieben, die unsere Welt treffen, bevor Gott sein Ewiges Reich mit seinem Sohn Jesus Christus errichten wird.
Bei all den Schrecken, bis hin zum Roten Drachen, der die Welt beherrschen und verwüsten will, die das ganze Buch der Apokalypse des Johannes durchziehen, zieht in den letzten beiden Kapiteln das neue Jerusalem herauf, und Gott tritt als Sieger dieser Kämpfe der Mächte und Gewalten auf.

(Off 21,1-5; 22,1) 1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! (22,1) Und es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen nicht des Lichts einer Lampe und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird über ihnen leuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Mond kam uns in diesem April sehr nahe. Aber, wenn schon ein zu Gottes Schöpfung gehörendes Gestirn wie der Mond uns etwas von Nähe berichten kann, wieviel mehr kommt Gott uns nahe in diesen Tagen?
An Karfreitag im Tod seines Sohnes Jesus Christus am Kreuz von Golgatha und an Ostern in seiner Auferstehung zum ewigen Leben.
Dieses ewige Leben hat Jesus uns nahe gebracht und durch die Taufe uns geschenkt.

So wie der große schöne Frühlingsvollmond in diesen Tagen ein Geschenk der Nähe eines Gestirnes auf unserem derzeit so schwer bedrängten Erdenrund ist, so ist Ostern Zeichen für Gottes Nähe zu uns in dieser österlichen Zeit.
Der Mond, als Gottes Geschöpf, ist zugleich das feste Hoffnungszeichen, dass der scheinbar unsichtbare Gott an Ostern durch die Auferweckung seines Sohnes Jesus Christus sich für uns sichtbar macht.
Vergessen wir nicht, dass in leichten wie in schweren Tagen, in guten und in schlechten Zeiten Gott uns näher ist als alle Gestirne und alle Menschen, die wir kennen. Darum bleibt es auch in diesen entbehrungsreichen Zeiten bestehen: Dann erst legen wir die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand – vorher aber nicht.

Dr. Frank Weyen ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Eickel für den Bereich Wanne-Süd und Wanne-Mitte.

Mittwochsandacht von Pfarrerin Saskia Karpenstein (15.04.2020)

Liebe Menschen in Nah & Fern und in Wanne-Eickel!

Im Moment komme ich mir manche Tage vor wie Jona. Er ist die Hauptperson in der vertrauten Bibel-Geschichte, die ich in Kindertagen das erste Mal gehört und seitdem vielfach gepredigt habe. Eine Erzählung aus dem Alten Testament und nicht nur für Kinder.

Jona lebt in schwierigen, spannungsreichen Zeiten. Er selbst ist ein frommer Mann Gottes, ein Prophet mit einem klaren Auftrag. Gott schickt ihn, den Menschen zu predigen. Sie sollen sich zu Gott wenden, Buße tun und ihr Leben von Grund auf ändern.

Jona fürchtet sich vor der Reaktion der Menschen und verweigert sich dem Auftrag Gottes. Er flieht mit einem Schiff. Aber Gott spürt ihn auf, und das Boot gerät in einen bedrohlichen Sturm. Nach einigem Rätselraten und der Diskussion der Schiffs-Mannschaft wird klar: Jona muss über Bord, denn nur so können die anderen aus der lebensgefährlichen Situation gerettet werden. Gesagt, getan und so stürzt Jona in die Tiefen des Meeres.

Wie wird es weitergehen? Das ist die große Frage im Leben Jonas und aktuell in meinem Leben. Politikerinnen und Virologen, Medienwelt und Wirtschaft, Pflege- und Bildungseinrichtungen beschäftigen sich angesichts der Corona-Pandemie weltweit mit Gefahrenabwägung und Prognosen.

Wie wird es weitergehen? Die Antwort ist noch offen, und ich scheine wie Jona in die Tiefe zu fallen. Was mir Halt und Struktur im Alltag gab, entgleitet mir. Ich vermisse Kontakte und Leichtigkeit. Ich bin abwechselnd wütend und ohnmächtig. Mein Tatendrang ruft „man muss doch etwas machen können“, um im nächsten Moment dem Eindruck zu weichen, dass mein Tun nichts verändert.

Soll ich versuchen, in dem Ganzen etwas Positives zu sehen? Einige loben die erzwungene Entschleunigung und erhoffen sich eine humanere Gesellschaft. Entsprechende Videos werden zahlreich verschickt. Ich bin skeptisch und fürchte eher die weitere Spaltung in Gewinner*innen und Verlierer*innen. Nein, so einfach ist es nicht, dass wir Menschen besser werden. Gelegenheiten hätte es im Laufe der Geschichte unzählige gegeben. Wir bleiben als Menschen, wer wir sind.

Jona wird über Bord geworfen in die Wogen des Meeres – und ertrinkt nicht. Es ist die Szene, in der Kinder beim Erzählen aufatmen und sich staunend den Wal-Bauch ausmalen, in dem Jona Schutz findet. Jona hält Dialog mit Gott, ist auf sich selbst zurückgeworfen und zur Untätigkeit gezwungen. Vergleichbar vielleicht mit einer Quarantäne-Situation. Jona muss es aushalten und auf die Hoffnung setzen.

Meine Hoffnung ist Gottes Wort, das sich so wunderbar vielfältig erweist. Es ist wie ein roter Faden, der sich durch die Geschichte der Menschen zieht, durch mein Leben. Er ist gute Wendung und Trost in Sackgassen. In der Bibel finde ich das Wort Gottes in aller Weisheit und Verborgenheit, in den Antworten und Fragen. Wort Gottes meint den menschgewordenen Jesus Christus, der begraben war - ähnlich wie Jona im Fischbauch – und zurückkehrt ins Leben. Noch ist es dunkel und gleichzeitig trägt mich Hoffnung.

Jonas Zeit im Wal nimmt irgendwann ein Ende, und er kommt zurück an Land. Er nimmt sein Leben wieder auf – wie hoffentlich wir alle früher oder später auch. Jona wird weiter mit Gott ringen und überrascht sein von dessen Liebe und Barmherzigkeit, die er den Menschen zukommen lässt. Eine zweite unerwartete Rettung in dieser Geschichte, die Gott seinen Geschöpfen und seiner Schöpfung schenkt. So schenkt sich Gott in Jesus, ohne dass wir uns das verdienen können oder müssen.

♫ ♫   Freut euch alle, es ist Ostern. Halleluja, Jesus lebt.

Ich grüße Sie ganz herzlich – bleiben Sie behütet,

Ihre Pfarrerin Saskia Karpenstein

Mittwochsandacht von Pfarrer Dr. Frank Weyen (08.04.2020)

Diese Mittwochsandacht ist gleichzeitig die Passionsandacht zum Hören vom 08.04.2020.
Zum Hören bitte hier klicken. Die Liturgie dazu gibt es hier.

Lukas 10,42 - Pfr. Frank Schröder (01.04.2020)

Liebe Gemeinde und liebe Leser,

es ist so manches sehr außergewöhnlich in diesen Tagen. Schon heute bin ich überzeugt, dass die aktuelle Krise im Nachgang für manche mehr oder weniger weitsichtige oder hilfreiche Erkenntnis wird herhalten müssen. Und so verschieden wie wir alle sind, sind garantiert auch die Beobachtungen, die wir an der besonderen Situation machen.

Mir zum Beispiel ist aufgefallen, wie ansonsten unverzichtbare Tätigkeiten doch plötzlich entfallen können. Wie an Tabuthemen auf einmal doch gearbeitet werden kann.

Wie höchstwichtige Sitzungen entfallen, Examina verschoben und Hochzeiten abgesagt sind. Wie sogar Jahrhundertinstitutionen ausgesetzt werden. Oder wer von euch kann sich erinnern, dass schon mal Gottesdienste, gar der Ostergottesdienst gestrichen wurden?

Fast hätte ich gesagt, es ist wie im Krieg. Den habe ich selbst nicht erlebt und bin dankbar dafür. Aber mein aus Familienerzählungen und rudimentärem historischen Wissen gewonnenes Bild darüber kommt in dieser Beziehung(!) der aktuellen Lage doch ein bisschen nahe.

Und allemal ist das nicht nur eine Frage für Krisenzeiten:

Auf was kann ich zur Not auch verzichten? Was soll noch gültig bleiben?

Was bleibt wirklich wichtig?

Welche Ansprüche oder Tätigkeiten, welche Leistungen, die undiskutable Autorität zu haben scheinen, können auch ganz anders beurteilt werden? Müssen es um ihrer selbst willen sogar von Zeit zu Zeit, weil sie im Gewand eines überhöhten Geltungsanspruchs ihre Seriosität verlieren und albern werden? Was hat Priorität, was kann auch mal sein gelassen werden?

Diese Frage ist auch im normalen Alltagsbetrieb sinnvoll:

Welchen dreisten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder ideologischen Erwartungen muss man mal alle Ansprüche absprechen? Und zwar, um wieder Luft zu kriegen, aber auch aus einem fetten theologischen Grund. Ich meine das erste Gebot: ICH bin der Herr dein GOTT!

Oder mal etwas milder gesprochen und betrachtet mit Hilfe der euch sicher bekannten Episode aus Lukas 10. JESUS besucht zwei Schwestern, die je in ihrer Art auf den Besuch reagieren. Marta ist im Dienst für den Besuch. Sie kümmert sich um Erfrischung, bequemes Sitzen, Getränke, Verköstigung und vielleicht auch schon mal das Nachtlager. Ihre Schwester Maria sitzt bei JESUS und hört ihm zu. Darüber beschwert sich die Marta dann beim Herrn, aber er antwortet ihr: Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist Not! V 41f

Eins ist Not.

Kannst du noch sehen, was es ist?

Oder ist dir dafür längst der Blick verstellt durch 'Brot und Spiele'? Durch das Ehrenamt oder das Elternamt, durch Sorgen und Besorgungen? Wie Marta haben auch wir manche wichtigen Dienste zu erledigen. Den Gartendienst und den Tischdienst, manchmal den Autodienst oder den Großelterndienst.

Was ist wirklich wichtig?

Bei Marta sehen wir: jedenfalls nicht zuerst unser Dienst. Wie befreiend das ist! JESUS sucht nicht zuerst das, was du tust. Auch nicht, was du haben oder erreichen willst. Er will zuerst etwas für uns tun, er will dich mit seinem Wort erreichen. Also, wirklich erreichen.

Das ist das Wesen des Glaubens, jedes einzelnen Christen:

Hinhören auf das Wort Christi.

Sich dem wirklich aussetzen.

Darum gibt es seit jeher Stundengebete als Unterbrechung der Arbeit. Darum läuten die Kirchenglocken mitten in den Alltag hinein. Damit wir uns immer wieder hinsetzen und fragen: Was hast du mir zu sagen?

Was sagst du zu meinem Tag? Meinem Leben? Wie steht es wirklich um mich?

Zeige mir durch dein Wort, wer ich bin. Verwandle mich.

Dazu muss uns das Wort, das er uns zu sagen hat, wirklich erreichen. Und das geht nicht im Vorübergehen mit einem kurzen Lesen der Losung. Das braucht etwas Zeit, wo ich es wirklich an mich heranlasse. Wo die Hände ruhen und der Kopf nichts andres denkt. Wo sonst nichts sein soll, wo ich mich auf den auferstandenen Herrn konzentriere:

Herr, hier bin ich.

Rede zu mir!

Und was er zu mir sagt, das gibt meinem Tun Richtung und Klarheit, das verwandelt mich, langsam, aber unbeirrbar, in der Tiefe meines Wesens. Sein Wort hat diese Kraft. Das ist das eine, das Not tut. Deshalb kann es neben allem Schwierigen auch ein Geschenk und eine neue Entdeckung sein, diese Zeit zu erleben und von ihr her neu die Frage zu beantworten:

Was ist wirklich wichtig?

In unserem Gesangbuch (eg) gibt es über diese Erkenntnis der Maria ein Lied. Es ist die Nummer 386, hier einmal nur die erste Strophe, die man einfach als persönliches Gebet übernehmen kann:

"Eins ist not ach Herr dies Eine lehre mich erkennen doch
Alles andre wie's auch scheine ist ja nur ein schweres Joch
darunter das Herze sich naget und plaget
und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget
Erlang ich dies eine, das alles ersetzt,
so werd ich mit Einem in allem ergötzt"

Oder, mit moderneren Worten, ein Lied aus unserem Jugendmeeting:

"When the music fades, all is stripped away, and I simply come
longing just to bring something that's of worth, that will bless your heart
I'm coming back to the heart of worship, and it's all about you,
all about you, Jesus"

Ich wünsche Ihnen in diesen Tagen Bewahrung an Leib und Seele.

Dass Ihnen in der Klarheit seines Geistes aufgeht, was wirklich zählt.

Und wünsche Ihnen Entschiedenheit allem 'Normalen' zu widersprechen, was sich dem entgegen stellt. Denn tatsächlich, es geht auch ganz anders.

GOTT segne Sie, Pfr. Frank Schröder

Andacht von Pfarrer Günter Mattner (25.03.2020)

„Fürchte dich nicht, denn ich stehe dir bei; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!
Ich mache dich stark, ich helfe dir, mit meiner siegreichen Hand beschütze ich dich!“

(Jesaja 41,10 – Übersetzung: Hoffnung für alle)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

der Satz „Jede Krise ist auch eine Chance“ begegnet uns in den letzten Wochen immer wieder. Er klingt gut, macht Mut. Er will uns hoffnungsvoll auf die Zeit danach – nach der Krise – einstellen und diese schwierige Phase so nutzen helfen, dass daraus noch ein „Gewinn“ entsteht.

Aber ganz ehrlich: Ich mag keine Krisen. Und da bin ich sicher nicht der Einzige. Wer mag sie schon, diese Krisen in Beziehungen und Ehen, um Finanzen und den Arbeitsplatz, Gesundheit und Alter, der eigenen Seele oder der Sorge um die Schwachheit des anderen? Solche Krisen und Sorgen um sich oder andere sind ungemein anstrengend. Wir erleben es zurzeit weltweit, wie Menschen um sich und ihre Freunde in Panik und Angst geraten. Das Hamstern von Toilettenpapier ist nur äußerer Ausdruck von innerer Hilflosigkeit. Tief im Innern der Menschen spielen sich ganz andere Szenen ab: Verlustängste, innerer Rückzug, der sich dann in Einsamkeit äußert, Angst, zu schwach zu sein oder zu werden. Nein, Krisen sind nicht schön. Und der Spruch „Da muss man durch“ hilft letztlich auch nicht wirklich. Denn alles, was man „muss“, ist wieder mit enormer Anstrengung verbunden, kostet Kraft, Nerven, Aufbäumen. Sich einer Herausforderung gelassen zu stellen, gelingt nicht jedem; und sich mit der Frage von Leid oder gar Tod zu beschäftigen, gehört auch in einer aufgeklärten Gesellschaft wie in Deutschland zu den Tabuthemen. Wie ist das also mit der Chance?

Ich habe mich gefragt, gab es eigentlich im Leben von Jesus Krisen? Auf der Suche nach einer Antwort bin ich recht schnell fündig geworden. Schon kurz nach seiner Taufe im Jordan – man könnte sagen, seiner Beauftragung durch Gott – wird ihm das Leben schwer gemacht. In Gestalt des Teufels – also des Gegners Gottes – wird Jesus auf trickreiche Weise herausgefordert, nur sich und seinen Vorteil zu suchen; was sollten ihn schon die Menschen kümmern. Oder: In den Diskussionen mit Schriftgelehrten und Menschen der Zeit war er stets in der „Erklärungs- und Aufklärungsrolle“ über Gottes Liebe und Treue. Jesus sprach von Gottes Freundschaft und nicht über Buchstabentreue, von Gottes Umarmung, ja, seiner Zuwendung und nicht von seinen Forderungen. Und zuletzt wird Jesus wenige Stunden vor seiner Gefangennahme deutlich: Der Tod – sein Tod – ist nahe. In dieser Erzählung aus dem Garten Gethsemane wird von Jesu tiefster Herausforderung, von seiner größten Not berichtet. Dort ringt er mit Gott um das zeitliche Überleben, betet, bis ihm der Schweiß zu Blut wird, und ist in all dem ganz allein, auch von seinen Jüngern verlassen.

Für mich hat diese Geschichte nicht nur heute eine große Bedeutung. In der Übersetzung von Martin Luther steht am Ende aller Einsamkeit und der Gebete Jesu das große Wort: „Es ist genug.“ Darin steckt nicht die Aufgabe, die Annahme des Scheiterns und auch nicht der Ausdruck von Resignation, sondern die tiefe Hinwendung Jesu zu seinem Vater, von dem er sich begleitet weiß.

Liebe Leserinnen und Leser, ich bin mir sicher, Gott kennt unsere Not, unsere Krise, unsere Fragen und erst recht unsere Angst um Leben und Zukunft. Das war bei Jesus so und das ist heute so. Und wenn wir so wie Jesus mit Gott ins Gespräch gehen, ihm unser Leid klagen, verstummt unser Herz bringen oder aus Verzweiflung weinen, wird er uns hören und antworten.

Bei Jesus war es ein Aufstehen und Annehmen des Weges und es war zugleich ein Durchschreiten aller Tiefen – bis, ja, bis zum Ostermorgen. Das Ende der Passion – allen Leides – war der Sieg. Nein, nicht die Not hatte gesiegt, sondern Gottes Versprechen: Ich sorge für dich, ich weiche nicht von dir, du bist mein Sohn.

Das, liebe Leserinnen und Leser, gilt bis heute. In einem alten Vers aus dem Buch Jesaja steht die Zusage:

Fürchte dich nicht, denn ich stehe dir bei;
hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!

Wenn ich das so in meinen und unseren Krisen höre, dann wird mir der Spruch „Jede Krise ist auch eine Chance“ ein stückweit „sympathisch“. Ich höre, dass Gott Ihnen und mir seine Nähe nicht versagt, auch wenn wir Nähe im Moment zu anderen Menschen meiden müssen, dass wir trotz aller Abgeschiedenheit in unseren Wohnungen nicht alleine sind, weil Gott da ist – nur ein Gebet entfernt. Ja, ich höre, dass er Ihnen und mir Kraft und Hoffnung ist, die über aller Hilflosigkeit und Ohnmacht steht.

Wollen wir uns doch nicht nur heute – wo uns diese Krise besonders lähmt – von Gottes Wort der Zuwendung und Begleitung aufrichten lassen und gestärkt unseren Weg mit ihm gehen.

In einem Lied heißt es im Refrain voller Gewissheit:
„Ich lasse mich fallen, tauch ein in deinen Liebesstrom.
Es ist nicht nur Fühlen, sondern Wissen:
Du bist da!“

 

Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Günter Mattner

Das Dritte Kreuzwort Jesu - Eine Andacht von Pfarrer Ferdinand Kenning (18.03.2020)

In Wanne-Eickel haben wir in unseren Bezirken Passionsandachten gefeiert, um in der Passionszeit dem Leiden und Sterben Jesu zu gedenken. In Holsterhausen hatten die Passionsandachten die Kreuzworte Jesu zum Thema.

Sieben Aussprüche Jesu am Kreuz sind in den Evangelien überliefert. In dieser Andacht wird das traditionell an dritter Stelle stehende Kreuzwort in den Mittelpunkt gestellt.

 

Joh 19

25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter
und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.

26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte,
spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter!
Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

 

So viel Schmerz in einer Szene. Zu viel Schmerz, als dass der Evangelist ihn in Worte fassen könnte. Er deutet ihn nur an, indem er aufzählt wer anwesend ist, als würde er einen sachlichen Bericht schreiben.

Jesus leidet am Kreuz. Wie sehr müssen die leiden, die ihn lieben, ganz besonders seine eigene Mutter?

Und dann ist da in dieser Szene so unbegreiflich viel Ohnmacht. Jesu Stunden auf der Erde sind gezählt, es bleibt nur schreckliches Warten, dass sie endlich zu Ende gehen. Dass es kommt, wie es kommen muss, und nach einem letzten Aufstöhnen der Erlöser selber erlöst wird.

Aber noch hängt er da am Kreuz, ist gefesselt und bezwungen.

Was für eine grausame Szene.

 

Und doch zeigt sich in dieser Szene so viel Zärtlichkeit, Liebe und Trost.

Seine Mutter, seine Tante, Maria Magdalena, Maria, die Frau des Klopas und Johannes, der Lieblingsjünger halten bei Jesus aus. Ertragen sein Leid und spenden damit Trost. Wie stark muss ihre Liebe sein, dass sie sich dem stellen?

Wie viel Selbstlosigkeit findet sich am Kreuz Jesu? Jesus richtet sich noch mit einigen seiner letzten Worte an seine Mutter und an Johannes, und während sich sein Ende naht, gründet er eine Gemeinschaft und gibt ihnen Weisung für die Zukunft. Als hätte Jesus nicht genug mit sich selber zu tun, gibt er den beiden einen Grund füreinander da sein zu wollen und zu leben, statt alleine zu verzweifeln.

Jesus hängt da gefesselt und bezwungen, und doch ist das Kreuz der Ort unbezwingbarer Liebe, denn es ist der Ort, an dem Gott uns seine Liebe offenbart.

Jesus hört selbst am Kreuz nicht auf zu lieben, lässt sich nicht zwingen so zu werden wie die, die ihn leiden lassen. Er liebt, wie Gott es tut, vergisst sich selber und kümmert sich darum, dass andere sich umeinander kümmern.

Jesu Worte in dieser Szene geben uns als Gemeinde in einer Zeit, in der wir uns aus dem geselligen Leben zurückziehen sollen, den Auftrag uns weiter umeinander zu kümmern.

 

Liebe Schwestern und Brüder, ihr könnt weiterhin Kontakt zueinander suchen, Trost spenden, und auch wenn der über‘s Telefon kommt, als Brief oder online stattfindet, wird er gut tun.

Und in Zeiten, in denen ihr euch ohnmächtig fühlt, könnt ihr Kraft aus der Liebe schöpfen, indem ihr ein Auge und ein Ohr für die Menschen in eurer Umgebung habt und aufeinander achtgebt.

Zur ganz praktischen Hilfe: Manchmal hilft man nicht, weil man nicht weiß, wie man helfen soll. Wenn das der Fall ist, dann weist doch einfach auf das Pfarrbüro hin. Die Gemeinde hilft gerne. So wollte es Jesus.

 

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte,
spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter!
Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

(Joh 19,25-26)

 

Herzliche Grüße

 

Ihr Pfarrer Ferdinand Kenning

Mittwochsandachten

Liebe Gemeinde,

in Zeiten von Corona und einer Phase, in der wir uns alle aus dem geselligen Leben zurückziehen, wollen wir hier nun jeden Mittwoch eine Andacht zum Lesen hochladen.

Dass wir in Wanne-Eickel eine Gemeinde sind, soll uns in diesen Tagen im Glauben stützen.
Darum wird jeder der fünf Bezirke auf seiner Homepage jeweils dieselbe Andacht hochladen, natürlich mit wechselnden Autoren.

Wir werden sonntags ab 10:00 zum Beginn der Gottesdienstzeit und um 10:30 zum gemeinsamen Vater Unser die Glocken läuten, damit wir örtlich entfernt, aber im Geist geeint beten können.
Und auch abends werden die Glocken läuten und uns zum Gebet rufen.
Lasst uns die Zeit dann auch dazu nutzen.

Als Beispiel für eine Gebetszeit zuhause finden Sie hier einige Texte wie "Mitten unter ihnen" und das "Berggebet" als Download.


Herzliche Grüße
Ihre Pfarrer und Pfarrerinnen aus der Ev. Kirchengemeinde Wanne-Eickel